"Oleander würt auff Griechisch und Lateinisch Nerion / Rododaphne / unnd Rododendrum genent / in den Apotecken Oleander. Warumb aber diß gewechß sey also geheyssen worden / hab ich im Lateinischen kreüterbuch gnugsam angezeygt.
Oleander hat bletter wie der Mandelbaum / aber lenger und dicker. Sein blum ist den Rosen nit ungleich. Die frucht ist lang / wie ein horn gestalt. So sie sich auffthut / ist sie inwendig voller samen / der ist harig und rauch. Die wurtzel ist lang / holtzecht / spitzig / und am geschmack gesaltzen.
Der Oleander wechßt gern bey den wassern / am meer / und würdt auch in gärten gezilet.
Wann der Oleander blüet unnd frucht bringt / ist uns diser zeit nit bewüßt / dann wir haben allein die bletter daran gesehen / darumb auch das gemäl allein dieselbigen anzeygt / on die blumen. Der Oleander ist warm im anfang des dritten grads / unn trucken im andern.
Die bletter und blumen des Oleanders tödten die hund / esel / und andre vierfüssige thier mehr. Aber mit wein jngenommen und getruncken / seind sie den menschen ein heylsam artzney wider die bissz der gifftige thier / in sonderheyt so man Rauten darzu thut. Der Oleander sol aber nit allein gebraucht werden / dann Galenus schreibt das er auch den menschen / und nit allein den vierfüssigen thieren schedlich und tödtlich sey / so er innerlich in leib genommen werde. Er ist aber sonderlich den schaffen und geyssen schedlich / dann so man seine bletter allein in ein wasser legt und laßt die schaff unnd geyß darvon trincken / sterben sie. Darumb sol er allein eüsserlich gebraucht werden / dann er zerteylt und verzert."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)