"[IV.158. - Narzisse] - Narcissus poeticus (Liliaceae) - Weisse Narzisse
Der Narkissos [Einige nennen ihn Narkyssos anydros, auch Autogenes, Andere Bolbus emetikos, die Römer Bulbus morbitarius, Andere auch diesen so wie die Lilie Leirion]. Die Blätter gleichen dem Porree, sind zart, aber um Vieles kleiner und schmaler. Der Stengel ist leer, blattlos, über eine Spanne hoch, daran befindet sich die weisse Blüthe, die in der Mitte eine safrangelbe, oft auch eine purpurfarbige Höhlung hat. Die Wurzel ist innen weiss, rund, zwiebelähnlich; die Frucht sitzt in einer Art Häutchen, ist schwarz, länglich. Der beste wächst in bergigen Gegenden, er ist wohlriechend; der übrige ist dem Lauch ähnlich und hat einen krautigen Geruch.
Wird seine Wurzel gekocht und gegessen oder getrunken, so erregt sie Erbrechen. Fein gestossen mit Honig ist sie ein gutes Mittel bei Verbrennungen; als Umschlag verklebt sie auch die durchschnittenen Sehnen. Ferner hilft sie fein gestossen mit Honig als Umschlag bei Verdrehungen der Knöchel und bei chronischen Gliederschmerzen; mit Essig und Nesselsamen vertreibt sie Sommersprossen und weisse Flecken, mit Linsenwicke und Honig reinigt sie Geschwüre von Schmutz und reisst die schwer zur Reife kommenden Geschwüre auf. mit Taumellolchmehl und Honig als Kataplasmt zieht sie Splitter aus."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.63. - Die Bereitung des Narzissensalböls] - Narcissus poeticus (Liliaceae) - Weisse Narcisse, Narcissus tazetta (Liliaceae) - Tazette
Das Narzissenöl wird so dicht gemacht: 70 Pfund 5 Unzen gereinigtes Öl, 6 Pfund 2 Unzen Aspalathos; stoße und macerire diesen mit Wasser, mische, dann den dritten Teil Öl zu und koche. Nimm dann den Aspalathos heraus und gib 5 Pfund 8 Unzen Kalmus zu. Stoße und siebe ein Stückchen Myrrhe und verrühre es mit altem gewürztem Wein, mische es zu und koche. Wenn es aber zusammen aufkocht, setze es ab und colire das erkältete Öl. Dann nimm von dem Öl und gieße es in ein Fass, wirf möglichst viel Narzissenblüte hinein und rühre zwei Tage um, wie bei dem susischen Öle, presse und gieße es häufig um, denn auch dieses neigt zur Fäulnis. Es wirkt gegen Gebärmutterleiden, indem es die Verhärtungen daran und die Verstopfungen beseitigt. Es verursacht aber Kopfschmerzen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)