"Bittersüßnachtschatten, Solanum dulcamara L. mit Blumentrauben in Afterschirmen, und strauchigem, gewundenem Stengel, woran die obern Blätter spondonförmig sind, ein perennirendes Gewächs, welches in Hecken, die an Bächen stehen, so wie überhaupt in feuchten Ufergebüschen aufklettert, und im Mai und Brachmonat blüht.
Ehedem brauchte man die Blätter nebst den Ranken (folia cum caule dulcamarae), jetzt blos die dünnern Ranken (stipites dulcamarae, amarae dulcis), welche einen schwachen, widrigen Geruch und einen anfangs bitterlichen, nachgehends süßlichen Geschmack haben. Zuweilen findet man diese Theile fast unwirksam, zuweilen übermäßig stark wirkend. Dann erregen sie Angst, Schwindel, Ekel u.s.w. Diese Unwirksamkeit kann von der starken Hitze beim Kochen des Absuds, wie auch davon herrühren, daß man nur die jüngsten wässerigsten Ranken nimmt. Die vorjährigen Ranken sind kräftiger, und ein mit kochendem Wasser bereiteter Aufguß kräftiger als ein langwieriges Abkochen, welches man unterlassen muß, wo es nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist.
Man verordnet gewöhnlich zwei bis drei Quentchen im Absud (Aufguß), und erwartet Schweiß und Harn treibende Kräfte davon in Hautausschlägen, Rheumatismen; sie scheinen die Thätigkeit der Lymphgefäse zu erregen.
Auch als frisch ausgepreßten Saft braucht man sie, und die Alten haben die gequetschten Blätter zur Zertheilung auf verhärtete Brüste gelegt.
Die zuweilen (zu ähnlicher Absicht) gebrauchte holzige Wurzel (rad. dulcam.) von gleichem aber stärkerm Geschmacke, oder vielmehr ihre Rinde, möchte noch eher bestimmte Wirkungen leisten."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Schwarznachtschatten, Solanum nigrum, L. mit schwachem krautartigem Stengel, ovalen, zahnartig eckigen Blättern, und niederhängenden, zweizeiligen Blüthentrauben, ein etwa fußhohes Sommergewächs, auf ungejäteten Gartenbeeten, an Schutthaufen und andern Salpeter oder Mist enthaltenden Stellen, welches den Sommer über weißgrünlicht blüht.
Das übelriechende, und fade schmeckende, dunkelgrüne Kraut (Hb. Solani) ist in ältern Zeiten häufig, frisch zerquetscht um die Stirne gegen Kopfschmerzen bei hitzigen Fiebern, auf Rothlauf, auf skirrhöse zum Krebs sich neigende Verhärtungen, und auf schmerzhafte Goldaderknoten gelegt worden, doch wie es scheint mehr empirisch. Zuverlässig hülfreich soll die dreitägige Auflegung desselben gegen jenes in Arabien unter dem Nahmen Bula endemische, unschmerzhafte, fressende Geschwür seyn, welches Narben, wie die Pocken, zurückläßt.
Beim innerlichen, nicht ohne große Behutsamkeit anzustellenden Gebrauche, will man Dienste von ihm zu einem bis sechs Gran des Pulvers bei innerlichen Entzündungen, und in der Wassersucht wahrgenommen haben, auch gegen unreine, schmerzhafte Geschwüre. Die Erfahrungen hierüber sind aber weder so zahlreich noch so bestimmt, daß man sich auf sie verlassen könnte. Die Wirkung dieses Krautes in allzu großer Gabe soll in Ausleerungen aller Art, Verdunkelung des Gesichts, Schwindel, Wahnsinn, Kopfweh, vorzüglich aber in allgemeiner, harter, mit Brennen verbundener, in Brand sich neigender, entzündlicher Geschwulst des Gesichts und der Gliedmaßen bestehen.
Wenn Einige die Unschädlichkeit des Krautes als Gemüse behauptet haben, so läßt sich dies zwar nicht nachahmen, aber doch leicht erklären, da durch Kochhitze die Arzneikraft dieses Krauts davon geht, wie das in alten Zeiten vom Kraute überdestillirte Wasser (Aqua Solani destillata) beweiset, welches alle Arzneikräfte des erstern in hohem Grade besitzt.
Reinlich getrunkener Essig scheint das beste Antidotum zu seyn. Es kann auch eine oder die andre Abart dieses Krautes unschädlicher seyn, oder unschädlich werden, wenn viel Magensäure vorhanden ist.
Die im späten Herbst reifenden, schwarzen, süßlicht faden Beeren (Baccae Solani) in Durchfällen und Ruhr zu brauchen, und sie für kühlend und schlafbringend zu halten, ist ein alter, unzuverlässige Volksglaube. Sie sind ebenfalls von heftiger Wirkung und sollen Magenschmerz, Wahnsinn und konvulsivische (?) Verdrehungen der Gliedmaßen verursacht haben."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)