"Die bletter des gemeinen Nachtschatten mit gersten maltz vermischt unnd übergelegt / seind nützlich zu dem rotlauff. Dise bletter für sich selbs zerstossen / unn übergelegt / heylen den weetagen des haupts / sind gut dem hitzigen magen / unn zu allen andern hitzigen gebresten der augen / ohren / brüsten / lebern / nieren / und blasen. Mit saltz zerstossen und übergeschlagen / zerteylen und verzeren sie die ohrmützel. Der safft von den blettern mit rosenöl / silberglett / und bleyweiß vermischt / ist nützlich zu dem rotlauff. So ein rässer fluß in die augen felt / soll man disen safft mit dem weissen von einem ey vermischen / unnd überschlagen. Ein woll in disen safft getruckt / unnd in die muter gethon / stellet den frawen kranckheyt. In summa / diser Nachtschatt ist gut zu allen gebresten / die külens und hindersich treibens bedörffen. Die Judendocken / so vil unnd die bletter berürt / haben einerley würckung mit dem gemeinen Nachtschatten. Jre frucht aber treibt den harn / reynigt und nimpt hinweg die verstopffung der leber. Ist derhalben gut denen so die geelsucht haben. Sie reyniget auch die nieren und blasen / ist demnach krefftiglich den stein treiben. Von den welschen Schlutten unn den Stechenden öpffeln haben wir noch kein sondere erfarung / darumb wir auff diß mal von jrer würckung nichts künden anzeygen. Dieweil es aber schöne gewechß seind / habend wirs nit wöllen überschreiten / auff das wir den andern ursach geben nachzudencken was derselbigen würckung weren. Das Dollkraut hat on zweifel die krafft des vierdten Nachtschatten / der da schellig und unsinnig macht / dann es dem menschen ein tödtlich kraut ist / welchs die erfarung gibt. Ich weiß auch gewißlich das zwey kinder so die beer / welche seer süß am geschmack seind / gessen haben / bald darauff gestorben seind / welche doch zuvor gantz frisch und gesund gewesen. Ich acht es sey das dritt geschlecht des Alrauns / wie vormals angezeygt / und sölches im Latein mit mehr worten von uns bewert ist."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)