"[Solanum dulcamara] Der schlafmachende Strychnos - Einige nennen ihn Halikakabos - ist ein
Strauch mit vielen dichten, stämmigen, schwer zu brechenden Zweigen
voll von fetten Blättern, welche denen der Quitte gleichen. Er hat eine
rothe, sehr grosse Blüthe, eine safrangelbe Frucht in Säckchen und eine
sehr lange Wurzel mit röthlicher Rinde. Er wächst an felsigen Stellen
nicht fern vom Meere. Die Rinde der Wurzel zu 1 Drachme in Wein
getrunken hat schlafmachende Wirkung, aber milder als der Milchsaft
des Mohns. Die Frucht ist stark harntreibend; den Wassersüchtigen
werden etwa zwölf Fruchtbüschel gegeben, der Genuss von mehr bewirkt
Geistesstärkung; Hälfte dagegen leistet der reichliche Genuss von Honigmeth. Seine Rinde wird den schmerzstillenden Mitteln und den Pastillen zugesetzt. In Wein gekocht und im Munde behalten lindert sie
Zahnschmerzen. Der Saft der Wurzel mit Honig als Salbe heilt Stumpfsichtigkeit."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)