"Myrtus communis
"Man hat von je her die gemeine Myrte ihres Wohlgeruchs wegen sehr geschätzt, weshalb
sie auch in mehreren europäischen Ländern cultivirt worden ist, und woher denn die von Miller
unterschiedenen Varietäten ihren Namen erhalten haben. Wir finden alle diese Varietäten
auch jetzt noch in unsern Gärten, aber überdies durch die fortgesetzte Cultur noch viel mehrere,
so dass man sie mit Gewissheit nicht mehr unterscheiden kann.
In den Arzneyvorrath hatte man ehedem die Blätter und Beeren, Folia et Baccae Myrti,
aufgenommen. Beide enthalten ein aromatisch - ätherisches Öhl, welches die Blätter, wo es sich
in sehr zahlreichen kleinen Behältern findet, durchleuchtend- getüpfelt macht. Das ätherische Öhl
als vorwaltender Grundtheil in Verbindung mit einem gelind adstringirenden Stoffe giebt ihnen
eine Stelle unter den stärkenden Mitteln, und als solches hat man sie ehedem, vorzüglich die
Beeren, gegen Schleim- und Blutflüsse in Aufgüssen angewendet."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zehnter Band. 1827)