"Unter dem Namen römischer Kümmel oder Mutterkümmel
findet man noch jetzt in unsern Officinen den
Samen von Cuminum Cyminum L. einer Pflanze,
die in Aethiopien und Aegypten einheimisch ist, auch
schon sehr frühzeitig den Griechen bekannt geworden
zu seyn scheint, die ihn nicht nur zum Arzneigebrauche
anbauten, sondern sich auch dessen als Gewürz
zu Speisen bedienten. Einen argen Geizhals nannte
man im Alterthume einen Kümmelspalter.
Sehr hoch schätzten die Aerzte des alten Griechenlands
den Samen dieser Pflanze, denn Hippokrates
nannte ihn, wie Dioscorides bezeugt, den königlichen
Kyminon. Er gab ihn zerstoßen mit Honig nebst andern
Medikamenten in einem Ekklegma bei Schwindsucht , auch sonst verordnete man ihn in Brustkrankheiten , ein daraus bereitetes Infusum ließ man in hitzigen und andern Fiebern nehmen . Gegen die
Gelbsucht wurde er gebraucht . Besonders ausgedehnt
war der Gebrauch des Kyminon gegen Weiberkrankheiten
, man gab ihn gegen Sterilität, zu Muttertränken
u. s. w. wo nicht nur der Samen sondern auch
die Blätter angewendet wurden , zur Erleichterung
der Geburtsarbeit gab man ihn Kreisenden , auch
ließ man damit räuchern , endlich ließ man auch
den gerösteten Samen in Mutterkränzen beibringen.
Anmerkung: Kürzlich fand Dumont d'Urville eine neue
Art Cuminum , die er minutum nennt , auf den
Bergen der Insel Kos, dem Geburtsorte des Hippokrates,
wildwachsend; wobei man sich erinnern wird , dass nach Dioscoridcs der Mohrenkümmel
auch in Galatien, Cilicien u. s. w. vorkommt."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)