"[III.61. - Mutterkümmel] - Cuminum cyminum (Umbelliferae) - Mutterkümmel
Das gebaute Kyminon ist angenehm für den Mund, und zwar besonders das äthiopische, welches Hippokrates das königliche nennt, an zweiter Stelle kommt das ägyptische, dann das übrige. Es wächst im asiatischen Oblatien, in Kilikien und zu Tarent und an vielerlei anderen Orten. Es ist erwärmend, adstringirend, austrocknend und ein gutes Mittel gegen Leibschneiden und Blähungen, wenn es gekocht mit Öl als Klistier oder mit rohem Gerstenschrot als Umschlag gebraucht wird. Es wird mit Essigwasser auch denen gegeben, die an Orthopnöe leiden und mit Wein denen, die von giftigen Tieren gebissen sind. Mit Rosinen und Schrot von Hülsenfrüchten oder Wachssalbe aufgelegt hilft es bei Hodenanschwellungen. Mit Essig fein zerrieben und eingelegt hemmt es den Fluß der Frauen und Nasenbluten. Im Trank und als Salbe bewirkt es eine bleiche Hautfarbe."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[III.62. - Wilder Mutterkümmel]
Das wilde Kyminon [die Römer nennen es Cuminum agreste oder silvaticum] wächst am meisten in Lykien, im asiatischen Galatien und zu Karthago in Spanien. Es ist ein kleiner Strauch, welcher einen eine Spanne langen zarten Stengel hat mit vier bis fünf kleinen zarten, nach Art der Einschnitte bei Gingidion gleichsam geschlitzten Blättern. An der Spitze hat er fünf bis sechs runde, weiche Köpfchen, darin eine spreuartige Frucht, welche schärfer schmeckt als die des gebauten. Es wächst an hügeligen Orten. Der Same wird mit Wasser gegen Leibschneiden und Blähungen getrunken; mit Essig stillt er den Schlucken, gegen den Biß giftiger Tiere und gegen Schlaffheit des Magens wird er mit Wein getrunken. Mit Honig und Rosinen gekaut und aufgelegt entfernt er Sugillationen unter den Augen; mit demselben Umschlage heilt er auch Hodenanschwellungen. Es gibt noch eine andere Art wildes Kyminon, dem gebauten ähnlich. Aus jeder Blüte entwickelt es in die Höhe gerichtete Hörnchen, in denen ein dem Schwarzkümmel ähnlicher Same sich befindet. Dieser ist getrunken das beste Mittel gegen Schlangenbisse. Er hilft auch denen, die an Harnzwang und am Stein leiden und die Blutklümpchen harnen. Sie mögen aber eine Abkochung von Selleriesamen nachtrinken."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)