"Nicht minder reich als an Ranunkeln ist Griechenland
an Anemonen, weshalb Tournefort sagt: «Im
Frühling ist Milo, so wie die andern Inseln in dem Archipelagus
einem Blumenstück in einem Lustgarten
ähnlich, das mit Anemonen, von allen Arten der Farben,
über und über besetzt ist. Dieselben sind zwar
einfach, indessen werden aus ihren Saamen die schönsten
Sorten gezogen, welche unsern Blumenfeldern zur
Zierde dienen.» Dieses Reichthumes ungeachtet ist es
doch nicht sehr schwer die beiden Arten von Anemone
zu bestimmen , die Dioscorides beschreibt, und die Sibthorp
auf Anemone stellata Lam. und A. coronaria L. gedeutet hat. Wenn man daher diese auch
auf die hippokratische Anemone deutet, so möchte der
Irrthum nicht groß seyn.
Die Hippokratiker bedienten sich der Anemone
bloß äußerlich , und zwar die Blätter mit Myrrhen in
Pessarien zur Beförderung der Menstruation , die mit
Mehl zerriebene und mit ägyptischem Oehle vermischten
Blumenköpfe brauchte man auf dieselbe Art . Bisweilen
mischte man auch Niesewurz , Artemisia und dergleichen
dazu . Hysterische Frauen ließ man die
Anemone auf die nämliche Art gebrauchen,
ausgepressten Saft mischte man zu Aezmitteln aus dem
Mineralreiche."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)