"[II.207. - Anemone] - Anemone coronaria (Ranunculaceae) - Kranzwindröschen (kultiviert); Anemone hortensis (Ranunculaceae) - Gartenwindröschen (wild); Anemone apennina (Ranunculaceae) - Italienisches Windröschen
Die Anemone [Einige nennen sie die wilde, Andere die schwarze, die
purpurfarbene, Enemom, Mekonion, Tragokeros, Ges parine, Barbyle,
Osthanes nennt sie Berylios, auch Ornios keranios, Pythagoras Atraktylis,
die Propheten Cnicus agria, die Römer Orci Tunica, die Afrikaner Chuphphois] hat zwei Arten, die wilde und die cultivirte; von der gebauten treibt
eine rothe, eine andere weissliche, milchweisse oder purpurrothe Blüthen.
Die Blätter sind denen des Korianders ähnlich, über der Erde leicht eingeschnitten Die Stengelchen sind behaarte zart, auf ihnen sitzen die Blüthen
wie Mohnblüthen, auch die Köpfchen in der Mitte sind schwarz oder blau.
Die Wurzel ist von der Grösse einer Olive oder grösser, gleichsam durch
Knoten abgetheilt. Die wilde ist im Ganzen grösser als die gebaute, hat
auch breitere und härtere Blätter und ein länglicheres Köpfchen; die
Blüthe ist purpurfarben, die Wurzel zart und zu mehreren. Eine Art hat
aber dunkle, schärfere Blätter. Beide haben eine scharfe Kraft, darum
eignet sich der Saft ihrer Wurzel, in die Nase gebracht, zur Reinigung
des Kopfes. Genossen fahrt die Wurzel den Schleim ab. In süssem
Wein gekocht heilt sie als Umschlag Augenentzündungen, entfernt Narben
in den Augen und Stumpfsichtigkeit und reinigt die Geschwüre von
Schmutz. Werden die Blätter und Stengel mit Ptisane gekocht und gegessen, so befördern sie die Milchabsonderung, im Zäpfchen treiben sie
die Menstruation , als Umschlag heilen sie auch Aussatz. Einige aber,
welche die sogen. Argemone und die Klatschrose, worüber wir bei
den Mohnarten reden werden, nicht von der wilden Anemone unterscheiden können, lassen sich durch die Gleichfarbigkeit der Blüthe,
welche purpurroth ist, täuschen, indem sie die Argemone Eupatorium
nennen. Ueberdies ist die Purpurfarbe der Argemone und der Klatschrose weniger tief, diese und die Argemone blühen auch später. Ferner
scheidet die Argemone einen safranfarbigen, höchst scharf schmeckenden
Saft aus, die Klatschrose einen weisseren und scharfen. Beide haben in
der Mitte Köpfchen ganz wie der wilde Mohn, nur ist das der Argemone oben etwas abgeplattet, das der Klatschrose etwas schmal. Die
Anemonen aber scheiden weder Saft aus noch haben sie ein Köpfchen,
sondern wie der Spargel eine Spitze. Jene wachsen zumeist auf Ackerfeldern."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)