"[Mentha tomentella] [Mentha gentilis] [Thymus calamintha] Die Kalamintha - eine Art gehört mehr den Bergen an - hat denen des Basilikum ähnliche weissliche Blätter, kantige Zweige und Reiser und eine purpurfarbene Blüthe. Eine andere Art gleicht der Poleiminze, ist aber grösser, darum haben Einige sie den wilden Polei genannt weil sie ihm auch im Geruche durchaus gleicht; diese bezeichnen die Römer als Nepeta. Eine dritte gleicht der wilden Minze, hat aber längliche Blätter, grössere Zweige und Reiser als die vorgenannten und ist auch weniger kräftig, Die Blätter aller sind beim Genusse stark brennend und scharf, die Wurzel ist nutzlos. Sie wächst in ebenen rauhen und sehr feuchten Gegenden. Innerlich und äusserlich angewandt hilft sie bei Schlangenbissen. Ferner treibt die Abkochung, getrunken, den Harn, hilft bei inneren Rupturen Krämpfen, bei Orthopnoe, Leibschneiden, Cholera und Frostschauer. Vorher genommen macht sie tödtliche Gifte unwirksam und heilt die Gelbsucht. Den Bandwurm und die Eingeweidewürmer tödtet sie, wenn sie, gekocht oder roh zerrieben, mit Salz und Honig getrunken wird. Genossen hilft sie bei Elephantiasis mit nachgetrunkenen Molken. Die fein gestossenen Blätter, im Zäpfchen eingelegt, tödten den Embryo und befördern die Menstruation. In der Räucherung und als Lagerstreu verscheuchen sie die Schlangen. In Wein gekocht machen sie als Umschlag die dunklen Narben weiss und bringen auch Sugillationen unter den Augen weg. Den Ischiaskranken werden sie auf die Haut gelegt zur Ausscheidung der schlechten Säfte, indem sie eine Entzündung der Hant bewirken. Der Saft, eingeträufelt, tödtet auch die Würmer in den Ohren."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)