"[III.6. - Grosses Kentaurion] - Centaurea centaurium (Compositae) - Centaurenkraut, Grosses Goldkörbchen
Das grosse Kentaurion, welches Einige Narke nennen [Andere Limnesion,
Marone, Pelethronion, Cheironias, Limnestis, die Propheten Blut des Herakles,
die Römer Phierrei, Unefera, Phellerae], hat Blätter denen des Nussbaumes
ähnlich, länglich, grün wie der Kohl, ihr Rand ist eingeschnitten wie eine Säge.
Einen Stengel hat es wie der Ampfer, zwei bis drei Ellen hoch, mit vielen Nebenschössen aus der Wurzel, an denen mohnähnliche, länglichrunde Köpfe sitzen.
Die Blüthe ist blau, die Frucht ähnlich der des Saflors, gleichsam eingehüllt von
den wolligen Blüthen. Die Wurzel ist dick, fest, schwer, an zwei Ellen lang, saftreich, scharf, zugleich etwas adstingirend und süsslich, röthlich, ebenso ist der
Saft roth. Sie liebt fetten, gut besonnten Boden, Gehölze und Hügel. Sehr häufig
ist sie in Lykien und im Peloponnes, in Elis, Arkadien und Messene, am Pholoe,
Lykaion und um Smyrna. Die Wurzel ist ein gutes Mittel bei inneren Rupturen,
Krämpfen, Seitenstechen (Pleuritis), Athemnoth, altem Husten und Blutauswurf;
den Fieberfreien wird die Wurzel zu 2 Drachmen mit Wein, den Fiebernden mit
Wasser gegeben. Sie dient gleichfalls gegen Leibschneiden und Gebärmutterschmerzen. Sie befördert die Menstruation und treibt die Frucht aus, wenn sie
geschabt und in Kollyrionform an die Gebärmutter gelegt wird. Der Saft leistet
dasselbe. Sie ist auch ein Wundniittel, wenn sie frisch zerstossen, trocken aber,
wenn sie vorher angefeuchtet und dann zerstossen wird; denn sie verbindet und
verklebt. Auch das gekochte Fleisch bindet sie, wenn man sie zerstösst und mitkocht. Die, welche in Lykien ihren Saft auspressen, wenden ihn statt des Lykions
an. [Sie ist aber auch als Panacee gerühmt, da sie als Allheilmittel alle von Entzündungbegleiteten Leiden beschwichtigt und sowohl Stosswunden als auch in
der Injection Harnzwang und Steinschmerzen heilt. Sie wird gesammelt, wenn
die Sonne aufgehen will, zur heiligen Stunde, wo Alles in Erfüllung geht.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)