"Scilla maritima (Drimia maritima)
"Die Wurzel der Meerzwiebel oder vielmehr die Schuppen dieser Zwiebel, sind unter dem Namen Radix Squillae s. Scillae in dem Arzneyvorrath bekannt. Wir erhalten sie entweder im frischen oder im trocknen Zustande. Sie ist sehr bitter und ekelhaft von Geschmack und im frischen Zustande sehr scharf, so, dass sie beym Zerschneiden ein starkes Jucken, ja wohl gar Blasen auf der Haut hervorbringt. Um sie zu trocknen, müssen die Schuppen auseinander genommen, und nachdem die trocknen äußersten und die sehr schleimigen innersten entfernt worden , in Streifen zerschnitten und bey gelinder Wärme getrocknet werden ...
Die Wirksamkeit dieses Mittels hängt nicht von dem flüchtigen, scharfen Stoffe ab, sondern von dem klebrigen, bittern, in Wasser, Weingeist und Essig auflöslichen Extractivstoffe , weshalb auch der Meerzwiebel -Essig, der Meerzwiebel- Sauerhonig und das aus dem Safte bereitete Meerzwiebel-Extract, Acetum, Oxymel et Extractum Scillae s. Squillae sehr zweckmäßige Zubereitungen sind, welche dem Meerzwiebel -Pulver, Pulvis Scillae s. Squillae, nicht viel nachstehen können. Man rechnet die Meerzwiebel zu den scharfen Arzneymitteln. In starker Gabe erregt, sie Brechen und Purgieren; in geringer Gabe vermindert sie die Frequenz des Pulses, indem sie die Thätigkeit der Lungen und Nieren vermmindert, und dadurch sehr wirksam wird, im Typhus das Fieber zu mäßigen, in Lungenkrankkeiten den Auswurf und in der Wassersucht die Bereitung des Urins zu befördern; und daher auch ihr Nutzen in Krankheiten wo Torpor herrscht, und zäher Schleim abgesondert wird , wie in Schleimflüssen, unterdrückter Reinigung, bey Würmern, im Scorbut, in der Gelbsucht u. s. w."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Elfter Band. 1830)