"Die alten Aegyptier begriffen unter ihrem Typhon
alle bösen Einflüsse und Kräfte der Natur ; ihm schrieben
sie die schädlichen Ausdünstungen der Sümpfe und die
ansteckenden Seuchen zu, die von denselben zu entstehen
pflegen, so wie insbesondere die hydropischen Uebel, die
in dergleichen Gegenden so häufig sind. Bildlich stellte
man ihn bald als Nilpferd, bald als Schwein, die Brüste
von einer Frau, der Rumpf aus Mann, Hund und Löwe
zusammengesetzt, überhaupt in grässlichen und abschrekkenden
Gestalten dar.
Ein Hauptmittel gegen die Wassersucht ist die Meerzwiebel,
Scilla maritima L,; sie hiess des Typhons Auge,
und erhielt in der priesterlichen Materia medica ihre Sanction.
Man verehrte sie göttlich. In Pelusium stand ein
Tempel derselben; in weiblichen Mumien findet man öfters
dergleichen heilige Zwiebeln.
Man glaubte Oerter zu reinigen , wenn man eine
Meerzwiebel um sie herum trug und einen ähnlichen Zweck mag es gehabt
haben, wenn die arkadischen Landleute bei dem Panfeste,
diesen Gott mit Meerzwiebeln zu bewerfen pflegten. Als Amulet hingen die Alten eine
Meerzwiebel an ihre Thüre und glaubten sich so vor
allen bösen Künsten gesichert zu haben. Auch auf Gräbern
pflegte man sie zu pflanzen.
Üebrigens ist diese Scilla noch bis auf die gegenwärtige
Stunde eines der geschätztesten Mittel gegen die
Wassersucht, und jedes Handbuch der Materia medica
kann darüber Aufschluss geben.
Anmerkung: Die Priester der alten Aegyptier kannten
auch schon die Osterluzei Aristolochin als ein Mittel gegen
die Gicht; den Gauchheil, Anagallis arvensis L., rühmten
sie gegen den Vipernbiss, und mannichfaltig benutzten
sie das sogenannte griechische Heu, Trigonelia foenum
graecum L., Itafin genannt, u.s.w."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)