Morus nigra
"Von dem schwarzen Maulbeerbaume sind die Früchte, die sogenannten Maulbeeren (Mora s. Daccae s. Fructus Mororum) gebräuchlich. Sie enthalten viel Schleim und einen schwärzlichpurpurrothen, süßsäuerlichen Saft und gleichen in ihren Eigenschaften und Wirkungen so ziemlich den Johannis- und Himbeeren. Man bereitet aus ihnen einen Syrup (Syrupus Mororum) und einen Mus (Hob Mororum). Ersterer ist immer noch mit Recht im Gebrauch, indem er dem Getränke oder anderen Arzneien beigemischt kühlend, eröffnend und antiseptisch wirkt. Besonders ist es bei den Schwämmchen der Kinder ein beliebtes Mittel. Die gelbe Rinde der Wurzel, welche nach Wackenroder einen harzigen Gerbestoff, gelbes Harz und etwas fettes Oel, auch Satzmehl, Eiweiß, Äpfels. Kalk und Schleimzucker enthält, soll vermöge ihrer Schärfe und Bitterkeit gegen Bandwürmer wirksam gewesen sein. Die Blätter werden zum Futtern der Seidenwürmer, weniger von M. nigra als von M. alba, gebraucht. Das Holz, welches sich durch die gelbe Farbe des Kerns und durch breite Lagen großer (Spiralröhren-?) Oeffnungen im Innern der Jahrringe, so wie durch sehr deutliche Markstrahlen auszeichnet, ist hart und fest und nimmt auch gute Politur an, wird aber doch wenig in den Werkstätten gefunden, wahrscheinlich weil selten gute Stämme zu haben sind. Aus der Rinde lassen sich Stricke machen. Der Beeren soll man sich auch bedienen, um dem rothen Weine eine höhere Farbe und angenehmeren Geschmack zu verschaffen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)