Pistacia lentiscus
"Das beschriebene Gewächs liefert theils von selbst, theils nach im Monat Augnst gemachten Quereinschnitten, in den südlichsten Ländern Europas, namentlich in Griechenland und auf den griechischen Inseln, hauptsächlich auf Chios, das unter dem Namen Mastix (Mastix , Mastiche oder Resina mastichis) schon den Alten bekannte Harz. Auf Chios soll hauptsächlich die breitblättrige Varietät zur Gewinnung desselben benutzt werden. Ueberhaupt ist (oder war wenigstens vor der Revolution) der Anbau des Mastixbaumes auf der letztgenannten Insel so bedeutend, dass mehrere Dörfer den Namen der Mastixdörfer führten und man dort früher dem Sultan bloß als Tribut 300000 Pfund Mastix entrichtete.
Manu unterscheidet nach der Reinheit oder der Beimischung fremdartiger Substanzen zwei Sorten Mastix, Mastiche electa und Mastix s. Einstiche in sortis. — Die Mastiche electa, als die beste Sorte, kommt in pfefferkorngroßen bis haselnussgroßen Tropfen oder in rundlichen oder platt gedrückten Körnern vor. Je reiner und weißer die Körnchen, desto schöner ist er. Er besitzt eine gelblichweiße, etwas ins Grünliche spielende Farbe. Auf seiner etwas bestäubten Oberfläche kann man zwar keinen Glanz wahrnehmen, dagegen aber zeigt die obere Bruchfläche Durchsichtigkeit und Glasglanz. — Der ansehnlichen Härte ungeachtet ist er doch wegen seiner Sprödigkeit leicht zerreiblich und verwandelt sich durch Reihen in ein weißes Pulver. Er riecht angenehm balsamisch, erweicht sich schon beim Kauen im Munde, wird dabei weiß, undurchsichtig, zähe und klebrig, und schmeckt schwach reizend und balsamisch. Wärme bringt ihn bald zum Schmelzen, auch entzündet er sich leicht, brennt mit heller Flamme und verbreitet dabei einen starken, balsamischen Geruch. Wasser löst ihn zwar nicht, wohl aber wird er durch Weingeist bis auf 1/10 aufgelöst. Eben so sind auch fette Oele Auflösungsmittel für ihn. — Die schlechtere Sorte (Mastix in sortis) enthält Beimischungen von verschiedenen Unreinigkeiten, so von Holzspänen, Sand u. s. f. und ist daher verwerflich....
Der Wirkung nach ähnelt der Mastix den Harzen , ist aber nur im geringen Grade durchdringend und flüchtig. Die Harnabsonderung vermehrt er wenig. Beim Kauen erregt er eine stärkere Speichelabsonderung und bei seiner Application auf die Haut eine größere Thätigkeit in den Blutgefäßen dieses Organs. Früher benutzte man denselben innerlich häufiger als jetzt, indem man ihn theils in Pulvern zu 5— 15 Gran oder in Emulsionen gegen Schwäche der Lungen und des Magens, bei chronischen Catarrhen, Durchfällen, Rühren, Vereiterungen der Lungen und des Darmkanals reichte, ihn Mixturen zusetzte oder das aus ihm gewonnene ätherische Oel (Ol. Mastiches aethereum) zu 3 — 5 Tr. auf Zucker gegen Blähungen und Magenschwäche anwandte. Gegenwärtig beschränkt man sich fast nur auf seinen äußerlichen Gebrauch zu trockenen, zertheilenden Räucherungen gegen Geschwülste verschiedener Art, so Rheumatismen, Drüsengeschwülste, Wasseransammlungen, ferner gegen Vorfälle, so wie auch zum Einathmen gegen hartnäckige Catarrhe und Schleimschwindsuchten. Häufig kommt er als Zusatz zu Räucherpulvern, Räucherkerzen, Zahnpulvern, in Verbindung mit Myrrhe, Olibanum und Weingeist bildet er den Spiritus mastiches compositus , der als kräftiges Reizmittel innerlich zu einigen Tropfen gegen Magenschwäche und Blähungen , ganz vorzüglich aber äußerlich als Waschmittel bei großer Schwäche, Typhus, Lähmungen, Schlagflüssen, Geschwüren und Brand dient. — Im Orient kaut man den Mastix theils zur Verbesserung des Zahnfleisches, theils um einen woldriechenden Athem zu erhalten.
Das in fingerdicken oder noch dickeren Stücken vorkommende, blassgelbliche oder hellbräunliche, im Wasser zum Theil zu Boden sinkende, beim Erhitzen und Entzünden mastixähnlich riechende Holz (Lignum Lentisci) wurde von den ältern Aerzten gegen weißen Fluss und Muttergeschwüre benutzt."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)