"Mariendistelfrüchte: Die Droge besteht aus den reifen, vom Pappus befreiten Früchten von Silybum marinum. Der GEruch der frischen Früchte ist schwach und erinnert bei der vermahlenen Droge an Kakao; der Geschmack ist ölig. Die Droge darf weder ranzig riechen noch schmecken.
Die Pflanze dient zur Gewinnung der als Silymarin bezeichneten Flavolignanfraktion. Silymarin wird als Monopräparat angeboten und dient zur Herstellung eines alkoholischen bzw. hydroalkoholischen Extrakts, der in den meisten Kombinationspräparaten vom Typ der Leber-/Gallenmittel als Bestandteil enthalten ist. Die orale Resorptionsquote des Silybins beim Menschen wird auf 20-50 % der zugeführten Dosis geschätzt. Der Stoff akkumuliert nicht, bei wiederholter Applikation wird spätestens am zweiten Tag das Fließgleichgewicht der Elimination erreicht. Über die Begleitkomponenten des Silybins in den Silybumflavonoid-Gesamtpräparaten liegen keine vergleichbaren Untersuchungen vor.
Anwendungsgebiete: Silybin hebt die schädigenden Effekte verschiedener Lebergifte auf, wenn es früher als das toxische Agens appliziert wird. Es hemmt die Lipidoxidation und die Prostaglandinsynthese und mildert damit die Bildung von entzündungserregenden Stoffen im Gewebe. Silybin erhöht die Synthesegeschwindigkeit von ribosomalen Ribonukleinsäuren. Dadurch können die Bioproteinsynthese verstärkt und Zellregenerationsprozesse beschleunigt werden.
Dosierung: 100 mg Extr. Fructus Cardui mariae entsprechend einem Gehalt von etwa 70 mg Flavonoiden der Silymaringruppe bis zu 3mal täglich. Die in From eines Teeaufgusses - 1 g Mariendistelfrüchte auf 1 Tasse Abkochung mehrmals täglich - zugeführten Silybumflavonoide dürften 10-30 mg pro Einzeldosis betragen; die Teemedikation ist somit durchaus der Anwendung in Monopräparaten vergleichbar.
Bisher sind keine unerwünschten Wirkungen bekannt. Die therapeutische Breite ist sehr groß."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)