"Mangolt würt bey den Griechen Teutlon oder Seutlon genent / zu Latein Beta / welcher nam in etlichen Apotecken bliben ist. Ursach seiner namen haben wir im Lateinischen kreüterbuch angezogen. Diß gewechß würt an ettlichen orten Biessen geheyssen.
Des Mangolts seind fürnemlich zwey geschlecht / der weiß unnd rot. Der weiß würt zu Latein Sicula / und zu unsern zeiten mit einem unvolkomnen namen Sicla genent. Der rot Mangolt würt zu Latein Nigra Beta geheyssen / ist mit wurtzel / blettern und stengeln braunrot.
Der Mangolt hat einen rippechten stengel / der ist zimlich lang. Die bletter seind etwas breyt / den Molten blettern gleich / aber grösser unn lenger. Die blümlin steen ye eins an dem andern / von unden an des stengels unnd der neben ästlin biß oben auß : seind bleychgrün / gestirnt. Nach außfallung derselben wachsen runde stachelechte knöpfflin / das ist der hert samen. Die wurtzel ist schlecht und einig / lang wie die Fenchel wurtzel / zu zeiten aber wachsen zwo oder drey auß der seiten den grossen / mit vilen härlin.
Der Mangolt würt allenthalhen in gärten gepflantzt / unnd ist under allen kochkreütern kaum eins das lieber auffgeet als der Mangolt / dann wo der außgefallen samen hin kompt / ist das kraut nit wol zu vertreiben.
Der Mangolt blüet im Hewmonat unn Augstmonat / bringt auch volgends seinen samen.
Die Mangolt kreüter seind warm unnd trucken / wie man sölches auß jhrer würckung wol kan abnemen.
Der rot Mangolt mit Linsen gekocht unnd gessen / stellt den bauchfluß / vil mehr aber die wurtzel. Der weiß Mangolt reytzt vil mehr zu dem stulgang / fürnemlich der safft. Darumb wann man des zuvil isset / nagt er den magen / unn ist jm ettwas verdrießlich und beschwerlich. Mangolt ist nützlich und gut den leber unnd miltzsüchtigen / nimpt hinweg jhre verstopffung. Der safft von dem weissen Mangolt mit hönig vermischt in die nasen gethon / reynigt das haupt. Die bletter grün zerstossen und über die schäden gelegt so umb sich fressen / heylen dieselben. Gekocht oder vorhin gesotten / seind sie treffenlich gut zu dem rotlauff / und brandt. Die brüe von den gesottenen blettern ist gut zu den schüpen und nissen. Man sol auch die erfrornen füß darob bäen. Der weiß Mangolt gekocht / und mit rowhem Knoblauch gessen / ist gut wider die würm im leib. Der safft von dem roten Mangolt in die ohren gethon / ist gut zu dem langwirigen weetagen des haupts / unnd dem schwindel. Er nimpt auch hinweg das klingen und sausen der ohren. Getruncken treibt er den harn / und heylt die geelsucht. An die zän gestrichen benimpt er den weetagen derselben. "
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)