"[Ceder]
Die Ceder ist ein großer Baum, aus dem das sogen. Zedernharz gewonnen wird. Sie hat eine Frucht ähnlich der der Cypresse, aber viel größer. Es wird auch eine andere Ceder genannt, klein, dornig wie Wachholder, die eine runde Frucht trägt von der Größe der der Myrte. Das beste Zedernharz ist dicht und durchscheinend, stark riechend, welches beim Ausgießen in Tropfen bleibt und nicht auseinander läuft. Es hat die Kraft, lebende Körper in Fäulnis zu bringen, Tote dagegen zu konservieren. Deshalb haben Einige auch dasselbe das Leben des Todes genannt. Auch Kleider und Pelze zerstört es durch das heftige Erwärmen und Austrocknen. Es eignet sich sehr zu Augenmitteln, indem es eingestrichen das Sehen schärft und Leukome und Narben entfernt. Mit Essig eingetröpfelt tötet es die Würmer in den Ohren, mit Hysopabkochung eingegossen beseitigt es Ohrenklingen und Ohrensausen. In hohle Zähne gesteckt zerstört es zwar die Zähne, vertreibt aber die Zahnschmerzen, mit Essig als Mundspülwasser tut es dasselbe. Das Schamglied vor dem Beischlafe damit eingesalbt, verhindert es die Empfängnis. Bei Entzündung der inneren Schlundmuskeln (Bräune) ist es ein Einsalbungsmittel und hilft auch bei Mandelentzündungen. Eingeschmiert tötet es Läuse und Wanzen. Gegen den Biss der Hornschlange leistet es als Aufschlag Hülfe. Gegen genossenen Meerhasen hilft es mit süßem Wein genommen, auch den an Elephantiasis Leidenden ist es heilsam. Als Leckmittel oder als Salbe reinigt es die Geschwüre an der Lunge und bringt sie in der Gabe eines Bechers geschlürft zur Heilung. Im Klistier angewandt tötet es Spulwürmer und Astariden, zieht auch den Fötus heraus. Es wird auch ein Öl daraus gemacht, welches vom Harz durch Wolle abgeschieden wird, die wie beim Pech während des Kochens darüber gespannt wird; es hat dieselbe Wirkung wie das Zedernharz. Insbesondere heilt das Öl, kräftig eingerieben, aber die Räude der Vierfüßler, der Hunde und Ochsen und tötet ihre Zecken, bringt auch die beim Scheren verursachten Geschwüre zur Vernarbung. Den Russ desselben macht man wie den des Pechs, er hat dieselbe Wirkung wie dieser. Die Früchte desselben (d. h. des Baumes) werden Kedriden genannt. Sie haben erwärmende Kraft, dem Magen sind sie schädlich. Sie helfen bei Husten, Krämpfen, inneren Zerreißungen, Harnzwang, befördern, mit gepulvertem Pfeffer genommen, die Menstruation und werden auch gegen genossenen Meerhasen mit Wein genommen. Sie verscheuchen die wilden Tiere, wenn der Körper zugleich mit Hirschtalg oder Mark eingerieben ist. Sie werden auch den Gegengiften beigemischt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.45. - Cedernwein]
Der Cedern-, Wachholder-, Cypressen-, Lorbeer-, Fichten- oder Tannenwein wird auf gleiche Weise [wie Zirbelnusswein] hergestellt. Man muss aber das zur Zeit, wenn die Bäume Früchte tragen, frisch gefällte Holz spalten und in die Sonne oder in einen Baderaum oder ans Feuer legen, damit es ausschwitzt, und 1 Mine davon auf 1 Chus Wein geben, unter Umrühren zwei Monate stehen lassen, dann (den Wein) abziehen, an die Sonne setzen und nachher aufbewahren. Bei den künstlichen Weinen muss man aber die Gefässe voll füllen, denn der nicht vollgefüllte wird sauer. Die Arzneiweine sind den Gesunden nicht zuträglich; alle sind sie erwärmend, harntreibend, etwas adstringirend, der Lorbeerwein zieht am meisten zusammen. Es wird auch aus der Frucht der grösseren Ceder Wein gemacht, man muss dann ½ Mine zerstossener Früchte mit 1 Chus Most mischen, vierzig Tage an die Sonne setzen, ihn dann abseihen und umfüllen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.47. - Cedernharzwein]
Der Cedernharzwein wird so bereitet: Man wäscht das Cedernharz mit süssem Wasser, spült jeden Krug mit 1 Becher aus und füllt ihn dann mit Most.
Dieser Wein ist erwärmend und verdünnend, bei Abwesenheit von Fieber ein gutes Mittel gegen alten Husten, gegen Brust- und Seitenschmerzen, Leibschneiden, Geschwüre im Bauche und in den Eingeweiden, bei Lungenempyem Wassersucht und Hysterie. Ferner wirkt er gegen Würmer und Frostschauer, hilft gegen den Biss giftiger Thiere und tödtet Schlangen. Eingetröpfelt heilt er Ohrenschmerzen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)