"Es gibt mehrere Arten Feigbohnen , die großentheils in dem südlichen Europa einheimisch sind. Diejenige , welche vorzugsweise angebaut wird , ist die weiße [Lupinus albus L.], wenigstens ist dies in Italien der Fall . In Teutschland können sie kaum mit Vortheil gezogen werden , indem sie ein wärmeres Klima verlangen, doch sind sie schon lange genug bekannt . Der zu benutzende Theil ist der weiße Same , der aber auch heut zu Tage in Italien von Menschen nicht gegessen, sondern die Pflanze bloß des Rindviehes wegen gebaut wird. Dieser Same ist äußerst bitter, man muss ihn daher vor dem Gebrauche erst einige Tage im Wasser einweichen, was schon Diphilus aus Siphnos berichtete. Zeno von Citium, der berühmte Stifter der stoischen Schule, ein Mann von mürrischem Karakter , aber freundlich und sanft, sobald er etwas mehr Wein getrunken hatte, verglich sich selbst mit den Lupinen, welche ihre Bitterkeit verlieren, wenn sie in eine Feuchtigkeit getaucht werden. In Griechenland, besonders auf den Inseln wachsen zwei Arten wild, nemlich Lupinus pilosus und L. angustifolius ; erstere ist wohl die Pflanze des Dioscorides und vielleicht auch der Hippokratiker.
Die Lupinen werden von den Hippokratikern für sehr heftig wirkend und erhitzend angesehen, durch gehörige Zubereitung aber werden sie leichter und verdaulicher, ja es wird noch besonders von ihnen gesagt, dass sie die gewöhnlichen Nachtheile der Hülsenfrüchte unter allen am wenigsten hätten . Das Mehl der Bohne brauchte man zu Breiumschlägen."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)