Laurus nobilis
"Laurus nobilis, der gemeine Lorbeer, war bey den Alten sehr hoch geschätzt. Er krönte die Stirn der Sieger und zierte bey den Triumphzügen die Waffen der Krieger, er war der Preis bey den delphischen und pythischen Spielen und diente zur Verherrlichung des Ruhmes ausgezeichneter Dichter sammt ihren Werken, die mit seinen Zweigen gekrönt wurden. Die Mythe lässt ihn aus der Daphne entspringen, als diese, nachdem sie sich den Umarmungen Apolls entwunden hatte, von ihrem Vater, dem Flussgotte Peneus, in einen Lorbeerbaum verwandelt wurde, weshalb er denn auch im Griechischen ihren Namen trägt.
Es sind von diesem Baume die Blätter und Beeren, Folia et Baccae Lauri, in den Arzneyvorrath aufgenommen worden. Beide haben einen eigenthümlich gewürzhaften, angenehmen Geruch und scharfen, gewürzhaften Geschmack. Die Blätter geben, nach Hagen’s Erfahrung, mit Wasser destillirt, eine Wenigkeit ätherischen Öhles. Die Beeren enthalten ebenfalls ein ätherisches Öhl, aber auch zugleich ein fettes, welches man durch Auspressen gewinnt. In Portugal, Spanien, Languedoc und Italien wird durch Kochen der frischen, reifen, zerquetschten Beeren mit Wasser und nachheriges Auspressen das Lorbeeröhl oder Loröhl, Oleum laurinum, gewonnen, welches körnig -butterartig, von gelblich -grüner Farbe ist und aus beiden Öhlen besteht. ...
Die Blätter sind jetzt wohl nur noch Gegenstand der Küche; denn, dass sie ein Gegengift des Lorbeerkirschwassers seyn sollen, möchte wohl noch Bestätigung verdienen. Die Beeren kommen jetzt auch nur vorzüglich in der Thierheilkunde in Betracht. Das Lorbeeröhl, welches vermöge des in ihm enthaltenen, ätherischen Öhles zertheilend wirkt, wird äußerlich bey kalten Geschwülsten, bey Koliken auf dem Unterleibe und bey Luxationen in den Gelenken eingerieben und eben so bey schwerem Gehör in die Ohrgänge eingestrichen. Bey der Windkolik wird es in Klystieren gegeben."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)