"[I.106. - Lorbeer] - Laurus nobilis (Laurineae) - Lorbeer
Die eine Art Lorbeer ist schmalblätterig, die andere breitblätterig. Erwärmend und erweichend sind beide; deshalb eignet sich ihre Abkochung zu Sitzbädern bei Gebärmutter- und Blasenleiden. Die grünen Blätter adstringiren gelinde, zerrieben und aufgelegt heilen sie Wespen- und Bienenstiche. Sie vermögen auch jede Entzündung zu lindern, wenn sie mit Gerstengraupen und Brod umgeschlagen werden. getrunken aber beschweren sie den Magen und erregen Erbrechen. Die Früchte (Lorbeeren) sind erwärmender als die Blätter; sie wirken daher im Leckmittel mit Honig oder süßem Wein gut bei Phthisis und Orthopnöe und Rheumatismus der Brust. Mit Wein werden sie gegen Skorpionenstich getrunken, auch beseitigen sie die weißen Hautflecken. Der aus ihnen gepresste Saft hilft bei Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit, wenn er mit altem Wein und Rosenöl eingeträufelt wird. Er wird auch den Salben, sowie den erwärmenden und verteilenden Umschlägen zugemischt. Die Rinde der Wurzel aber zertrümmert den Stein und tötet die Frucht; sie ist auch Leberleidenden heilsam, wenn sie in der Gabe von 3 Obolen mit gewürztem Wein getrunken wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.49. - Lorbeeröl] - Laurus nobilis (Lauraceae) - Lorbeerbaum
Das Lorbeeröl wird aus den Lorbeeren hergestellt, wenn sie überreif sind, indem sie mit Wasser gekocht worden. Sie sondern nämlich aus der umliegenden Schale ein gewisses Fett ab, welches man mit den Händen abträgt und in Muscheln aufnimmt. Einige verdichten vorher Öl von unreifen Oliven und Cyperngras, Strandbinse und Kalmus, werfen danach die zarten Lorbeerblätter hinzu und kochen es zusammen; Andere mischen auch Lorbeeren zu, bis der richtige Geruch entstellt, noch Andere Styrax und Myrrhe. Am besten zur Bereitung ist der bergige und breitblätterige Lorbeer. Den Vorzug beim Lorbeeröl hat aber das frische, von hellgrauer Farbe, das sehr bittere und scharfe. Es hat erwärmende, erweichende, anregende, die Erschlaffung auf- hebende Kraft. Es ist ein gutes Mittel bei allen Neuralgien, Ohrenleiden und katarrhalischen Zuständen. [Denjenigen, welche durch Erkältung an der Leber leiden, ist es als Salbe heilsam, wie kein anderes Mittel] Getrunken aber ist es brechenerregend."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)