"Löwenzahnkraut und/oder Löwenzahnwurzel: Der Löwenzahn, Taraxacum officinale, liefert zwei Drogen: 1) die im Herbst gegrabene Löwenzahnwurzel, 2) die Löwenzahnpflanze bestehend aus Wurzel und Kraut vor der Blüte. Löwenzahn wächst kosmopolitisch in allen Zonen mit gemäßigtem Klima. Die Pflanze hat eine milchsaftreiche, spindelförmige Pfahlwurzel, große Rosetten aus schrotsägeförmigen Blättern und hohle, glatte Schäfte mit goldgelben Köpfchen aus lauter Zungenblüten. Die Droge riecht schwach süßlich und schmeckt bitter.
Inhaltsstoffe sind Bitterstoffe in Form von Sesquiterpensäuren, Triterpene, Phenolische Verbindungen (Kaffesäure, Flavonoide), Kohlenhydrate (Inulin, Fruktose) und Mineralstoffe mit hohem Gehalt an Kaliumsalzen.
Die geschnittene Droge dient zur Herstellung eines Infuses; gemeinsam mit anderen Pflanzen zur Herstellung von Teemischungen, z. B. Species cholagogae ÖAB; zur Herstellung von Fluid, Spissum- und Trockenextrakten, die als Bestandteil von Kombinationspräparaten (Tropfen und Dragees) verwendet werden. Die frische Pflanze ist Ausgangsmaterial zur Herstellung von Löwenzahnpflanzensaft.
Anwendung: Angaben über cholagogene (galletreibende) Wirkungen von Taraxacum-Extrakten fußen auf älteren Arbeiten, die sich nicht reproduzieren ließen. Reflektorische Amarumeffekte wird man Taraxacumpräparaten hingegen nicht absprechen können, sofern es sich um Zubereitungen handelt, die sensorische Reize auslösen können. Die diuretische Wirkung dürfte auf den hohen Gehalt an Kaliumionen zurückzuführen sein.
Anwendungsgebiete sind funktionelle Störungen im Bereich der Galle, sowie Befindensstörungen im Bereich von Magen und Darm, wie Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsbeschwerden.
Taraxinsäureglucosid ist ein sehr potentes Kontaktallergen. Beim Umgang mit frischen Pflanzen wurden Hautekzeme beobachtet, nicht jedoch bei der Verwendung von Fertigarzneimitteln.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Isoprenoide in Löwenzahn mit Wurzel: enthält Eudesmanolide und Germacranolide, die relativ wenig beständig sind."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)