"[II.131. - Linsenwicke] - Vicia ervilia (Papilionacea) - Linsenwicke
Die Linsenwicke [bei den Römern Orobusl ist ein bekannter kleiner, schmalblättriger, zarter Strauch, welcher die Samen in Hülsen hat. Aus ihnen wird das sogen. Wickenmehl gemacht, welches zum medizinischen Gebrauche dient. Es verursacht aber Kopfweh, beunruhigt den Bauch und führt das Blut durch den Urin ab, Die Ochsen werden fett, wenn sie damit gefüttert werden. Das Wickenmehl wird aber auf folgende Weise daraus gemacht: Suche die vollkommensten und weißen Samen aus, besprenge sie unter Umwenden mit Wasser und lass es in jede hineinziehen und röste sie dann, bis die Schale platzt. Dann mahle sie, schlage sie durch ein feines Sieb und bewahre das Mehl auf. Es ist gut für den Bauch, treibt den Urin und schafft eine gute Farbe. Wird es in der Speise oder im Trank übermäßig gegeben, so fahrt es unter Krämpfen das Blut durch den Stuhlgang und durch die Blase ab. Mit Honig reinigt es aber Geschwüre, Leberflecken, Sommersprossen, Muttermale, überhaupt den ganzen Körper; fressende Geschwüre, Karzinome und Gangräne hält es auf. Ferner erweicht es die Verhärtungen in den Brüsten, reißt böse Geschwüre, Furunkeln und bögen Grind rings herum auf. Mit Wein zusammen- gerührt heilt es als Umschlag Hunds-, Menschen- und Vipernbisse. Mit Essig beschwichtigt es Harnverhaltung, Krämpfe und Stuhlzwang. Es hilft denen, die an Auszehrung leiden, wenn es geröstet in der Größe einer Nuss mit Honig genommen wird. Seine Abkochung heilt als Aufguss Frostbeulen und Jurken am (ganzen) Körper."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)