"[II.129. - Linse] - Ervum lens (Papilionacea) - Linse
Die Linse [die essbare; die Römer nennen sie Lens oder Lenticula] macht, wenn sie fortwährend gegessen wird, stumpfsichtig, ist schwer vordaulich, dem Magen nicht bekömmlich, verursacht Blähungen im Magen und in den Eingeweiden, stellt aber den Durchfall, wenn sie mit der Schale genossen wird. Diejenige darunter ist vorzuziehen, welche sich leicht kochen lässt und beim Maceriren mit Wasser nichts Schwarzes abgibt. Sie hat adstringierende Kraft, deshalb stellt sie den Durchfall, wenn sie vorher geschält und vorsichtig gekocht wird, indem das erste Wasser abgegossen wird; denn die erste Abkochung davon löst den Bauch. Sie verursacht schwere Träume, taugt nicht für die Nerven, für die Lunge und den Kopf. Bessere Wirkung äußert sie auf die Bauchflüsse, wenn ihr Essig, Wegwart, oder Portulak, rote Bete, Myrtenbeeren, trockene Rosen, Mispeln, Speierlingsbeeren, thebanische Birnen, Quittenäpfel, Cichorien, Wegerich oder ganze Galläpfel zugesetzt werden, welche alle nach dem Kochen weggeworfen werden, oder auch Sumach, welcher auf die Speisen gestreut wird. Der Essig muss aber tüchtig damit gekocht worden, sonst wird der Bauch sehr in Unordnung gebracht. Bei Magenerschütterung helfen dreißig Linsen, welche geschält genossen werden. Mit Graupen gekocht besänftigen sie als Umschlag Podagraschmerzen. Mit Honig verkleben sie Fistelnöffnungen, reißen den Schorf rund herum auf und reinigen Geschwüre. Mit Essig gekocht vortheile sie Verhärtungen und Drüsen. Mit Steinklee oder Quitten unter Zusatz von Rosenöl heilen sie Augen- und Aftergeschwülste, aber bei größeren Geschwülsten am After und größeren Öffnungen, wenn sie mit trockenen Granatäpfelschalen oder Rosen gekocht worden unter Zumischung von Honig. In gleicher Weise (helfen sie) gegen fressende gangränöse Geschwüre, oder auch mit Zusatz von Meerwasser; gegen Pusteln, kriechende Geschwüre, roseartige Entzündungen und Frostbeulen in der oben angegebenen Anwendung. Bei verhärteten und geschwollenen Brüsten sind sie, in Meerwasser gekocht, als Umschlag von guter Wirkung."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)