"[III.51. - Ligustikon] - Levisticum officinale (Umbelliferae) - Liebstöckel
Das Ligustikon [Einige nennen es Panakeia, auch Panakes] wächst am
meisten in Ligurien, woher es auch den Namen hat, an dem Apennin
genannten Gebirge; es ist dies ein den Alpen ähnliches Gebirge. Die
dortigen Bewohner nennen dasselbe nicht ohne Grund Panakes, da Wurzel
und Stengel dem herakleischen Panakes gleichen, auch die Kraft sich ähnlich erweist. Es wächst auf den höchsten, rauhesten und schattigen Gebirgsstellen, am liebsten an Quellen. Es hat einen zarten, dem Dill ähnlichen
knotigen Stengel und daran dem Steinklee ähnliche, aber zartere und
dazu wohlriechende Blätter, nach der Spitze des Stengels zu sind sie
schmaler und mehr eingeschnitten. An der Spitze trägt er eine Dolde,
in welcher der dunkle, feste, längliche, fenchelähnliche, scharf schmeckende,
aromatische Same sich befindet. Die Wurzel ist weiss, ähnlich der des
herakleischen Panakes und wohlriechend. Die Kraft des Samens und der
Wurzel ist erwärmend, die Verdauung befördernd, auch dient sie gegen
Leiden der Eingeweide, zur Verdauung, gegen Oedeme und Blähungen,
besonders des Magens und gegen den Biss giftiger Thiere. Getrunken
befördern sie den Harn und die Menstruation; die Wurzel als Zäpfchen
eingelegt leistet dasselbe. Die Wurzel und der Same werden mit Nutzen
den Arzneien zugemischt, welche schnell eindringen und verdauend
wirken. Dieser ist dem Magen sehr zuträglich, deshalb gebrauchen ihn
die Eingeborenen statt des Pfeffers, um ihn den Speisen zuzusetzen. Er
wird verfälscht mit einem gewissen durchaus ähnlichen Satuen, welchen
man durch den Geschmack herausfindet, denn er ist bitter. Einige verfälschen ihn auch, indem sie Fenchel oder Sesel zumischen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)