"Muskatnuss: Die äußerlich einer Aprikose ähnliche Frucht des Muskatbaums, Myristica fragrans, spaltet sich bei der Reife in zwei Hälften und lässt im lederartig-derben Fruchtfleisch den mit einem leuchtend roten Samenmantel (Arillus) bedeckten Samen erkennen. Der Arillus wird getrocknet und kommt als Mazis in den Handel. Die von Arillus befreiten Samen werden 4-8 Wochen lang getrocknet, bis sich die Samenschalen vom Samenkern lösen; durch Aufschlagen wird der Samenkern von der Samenschale befreit und zum Schutz gegen Insektenfraß gekalkt. Diese mit einem weißen Überzug versehenen Samenkerne kommen als Muskatnuss in den Handel. Das Behandeln mit Kalkmilch wird zunehmend durch Begasen mit Mathylbromid oder Cyanwasserstoff ersetzt.
Die Droge hat einen kräftig aromatischen Geruch und einen brennend-würzigen, später etwas bitteren Geschmack. Inhaltsstoffe sind bis 16% ätherisches Öl, bis 40% fettes Öl (Muskatbutter) mit hohem Anteil (von etwa 75%) an dem Triglyzerid der Myristinsäure, außerdem Stärke (etwa 30%), sowie Zucker, Pektine und Farbstoffe.
Muskatnuss dient zur Gewinnung des ätherischen Muskatöls. Das Öl wiederum ist Bestandteil medizinischer Spiritusse, beispielsweise des Spiritus Melissae compositus DAB 6, der außerdem Zitronell-, Zimt- und Nelkenöl enthält. Alkoholische Auszüge sind Bestandteile appetitfördernder Tropfen, Aufgüsse zur Inhalation: 1-2g Muskatnusspulver mit 1 L siedendem Wasser übergießen, aufsteigende Dämpfe etwa 10 min lang tief einatmen, Dosis nicht steigern, der Muskatgeruch muss eben noch merklich sein. Die Droge erwies sich auch nützlich bei Morbus Crohn.
Unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, Tachykardie und Halluzinationen bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Ätherisches Muskatöl: Gewinnt man in Ausbeuten von etwa 12% aus den Samenkernen von Myristica fragrans. Es handelt sich um eine farblose bis schwachgelbe Flüssigkeit von angenehm würzigem Geruch. Das Öl besteht hptsl. (bis 90%) aus Monoterpenkohlenwasserstoffen, darunter Camphen, Pinen, Sabinen und Limonen, ferner Terpineol und Geraniol. Das Phenylpropanderivat Myristicin kommt in nur untergeordneten Mengen von etwa 4% vor; es ist jedoch wesentlich für die halluzinogenen und toxischen Wirkungen des Öls und der Muskatnuss selbst verantwortlich. Inhalativ expektorierend wirksam sind Camphen, Pinen, Limonen, Geraniol und Terpineol.
Muskatnussöl wird h.ptsl zur Aromatisierung von Nahrungsmitteln verwendet. In der Parfümerie u.a. zu Parfüms mit Gewürz- und Chyprenoten. Muskatnussöl wird zusammen mit anderen Ölen zu Salben (Brustbalsam, Einreibungen) verarbeitet. Sie werden bei Erkältung in die Haut eingerieben; etwas Salbe kann auch dem Inhalationswasser zugesetzt werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)