"Leinöl: Leinöl ist das durch Pressen oder durch Extraktion aus den Samen von Linum usitatissimum gewonnene Öl.
Leinsamen enthalten etwa 30-40% fettes Öl. Leinöl ist dadurch charakterisiert, dass es bei Raumtemperatur leichter beweglich (weniger viskos) ist als viele andere Pflanzenöle, und dass es einen besonders hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthält. Wegen des stark ungesättigten Charakters reagiert das Öl an der Luft rasch mit Sauerstoff; Leinöl ist der Prototyp der sog. trocknenden Öle, die in dünner Schicht aufgetragen, einen gleichmäßigen festen Film ergeben.
Die charakteristische Säure der Leinölglyceride ist die Linolensäure."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Leinsamen: Die reifen, getrockneten Samen von Linum usitatissimum. Leinsamen sind 4-6 mm lang und etwa 2 mm breit mit gelb-brauner bis rötlich-brauner Oberfläche. Neben den von den Arzneibüchern geforderten braunen Samen gibt es noch gelbe (helle) Samen, die von Sorten stammen, die speziell auf die arzneiliche Verwendung als Schleimdroge hin gezüchtet werden. Sie sollen nicht nur hohe Schleimgehalte aufweisen, sondern vor allem geschmackliche Vorzüge. Leinsamen sinf geruchlos und schmecken beim Kauen schleimig und mild ölig.
Anwendung: Leinsamen zeichnen sich durch einen hohen Nährstoffgehalt aus, wenn man sie in entsprechend "aufgeschlossener" Form dem Organismus zuführt. Bei der Anwendung von Leinsamen als Diätetikum oder in der Therapie kommt es darauf an, möglichst selektiv die in der Samenschale (Epidermis) lokalisierten Schleimstoffe sowie die unverdauliche Rohfaser (Ballaststoffe) zur Geltung zu bringen, ohne den Organismus kalorienmäßig zu belasten. Der Schleim wirkt einhüllend. Entsprechende Zubereitungen (Abkochung) können daher als schleimhautschützendes Mittel bei Reizzuständen des Respirationstraktes (Gastritis, Enteritis) verwendet werden. Dosierung: Als Dekokt aus geschrotetem Leinsamen (1:5 bis 1:10) zur kurzfristigen Behandlung von unspezifischen Magen-Darm-Störungen.
Einnahme der Samen in toto führt zu einer Vermehrung des Darminhalts, was indirekt die Darmmotilität erhöht. Leinsamen werden daher als Stuhlregulierungsmittel bei leichter Obstipation verwendet, auch als Ausgleich bei ballaststoffarmer Diät. Dosierung bei Einnahme in toto: 1 EL voll unzerkleinerter Leinsamen mit mindestens 1 Tasse (150 mL) Flüssigkeit einnehmen; 2 bis 3mal täglich.
Anwendung als Kataplasmen: Leinsamenpulver oder -presskuchen (entöltes Samenpulver) nimmt man äußerlich für heiße Packungen.
Leinsamen enthalten cyanogene Glykoside in Mengen von 0,1-0,5%. Bei längerer Anwendungsdauer von 3-4 Wochen in einer Dosierung von dreimal 15g pro Tag werden erhöhte Thiocyanatspiegel im Blut und im Urin gemessen, die Werten entsprechen, wie sie auch bei Zigarettenrauchern gemessen werden. Die Einnahme von ganzen Leinsamen, oder von Leinsamen, deren Samenschale nur leicht aufgebrochen ist, scheint somit risikolos zu sein."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)