"Linum catharticum
Nach Ebermaier soll man sich hüten mit diesem Gewächs der Ähnlichkeit wegen nicht
etwa Linum Rhadiola oder Cerastium semidecandrum zu verwechseln.
Die ganze Pflanze, im Anfänge der Blühezeit gesammelt, giebt das Kraut, welches als
Herba Lini cathartici schon lange als Arzneymittel bekannt, dennoch aber wohl nur selten gebraucht
worden ist. Als einheimisches Mittel sollte man es mehr in Anwendung zu bringen
suchen. Es ist von bitterlichem, schwach salzigem und etwas ekelhaftem Geschmack, und besitzt
purgierende Kräfte. Zum Gebrauch lässt man zwey Quentchen mit drey bis vier Unzen kochendem
Wasser infundiren, und dies auf einmal nehmen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)
"Linum usitatissimum
Von diesem so außerordentlich nützlichen Gewächs ist der Same, Semen Lini , in den
Arzneyvorrath aufgenommen worden.
Durch Auspressen erhält man aus dem Samen ein mildes Öhl, Oleum Lini , welches nach
Hagen den fünften Theil beträgt, so wie man auch, nach eben demselben, mehr als den sechsten
Theil Schleim bekommt, der in der Schale des Samens sich befindet. ...
Diese Resultate entsprechen ganz der Erfahrung die
man bey der Anwendung dieses Samens gemacht hat, nach welcher er zu den vorzüglichsten erweichendenden,
schlüpfrig machenden, einwickelnden und abstumpfenden Mitteln gerechnet werden
muss. Alan giebt ihn im Aufgusse oder in der Abkochung beym Brennen des Harns, bey
Nierenschmerzen und beym Gebrauch ätzender Quecksilbersalze. Häufiger ist äußerlich seine
Anwendung zu Klystieren beym Stuhlzwang, und so auch das Mehl zu erweichenden Breyumschlägen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)