"[II.125. - Lein] - Linum usitatissimum (Linaceae) - Lein
Der Lein [die Einen nennen ihn Linokalamis, die Anderen Annon, Linon
agrion, die.Römer Linomyrum, noch Andere Linum agreste, die Afrikaner
Zeraphois] ist bekannt. Der Same hat dieselbe Kraft wie der des Bockshorns, er zertheilt und erweicht jede innere und äussere Geschwulst, wenn
er mit Honig, Oel und wenig Wasser gekocht oder in gekochtem Honig
aufgenommen wird. Roh mit Natron und Feigen als Umschlag entfernt er
Sonnenbrandflecken und Finnen, mit Lauge zertheilt er Drüsen neben dem
Ohre und Verhärtungen; mit Wein gekocht nimmt er fressende und grindartige Geschwüre weg. Mit gleichviel Kresse und Honig entfernt er schuppige Nägel. Mit Honig als Leckmittel genommen reinigt er die Brust und
lindert den Husten. Mit Honig und Pfeffer gemischt und als Kuchen reichlich genommen reizt er zum Liebesgenuss. Die Abkochung desselben dient
als Klystier bei Verwundungen der Eingeweide und der Gebärmutter
und zum Herausbefördern der Excremente; bei Entzündung der Gebärmutter leistet sie, wie die des Bockshorns, als Sitzbad gute Dienste."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)