"[II.165. - Wilder Lattich] - Lactuca scariola (Compositae) - Giftlattich
Der wilde Lattich [welchen die Propheten Titansblut, Zoroaster Pherumbros, die Römer Lactuca silvatica nennen] gleicht dem Gartenlattich,
hat aber einen stärkeren Stengel, weissere, dünnere, rauhere und bitter
schmeckende Blätter. Im Ganzen ist er in seiner Wirkung dem Mohn
ähnlich, weshalb auch Einige seinen Saft unter das Opium mischen. Der
Saft, im Gewicht von 2 Obolen mit Essigwasser getrunken, führt das
Wässerige durch den Bauch ab; er entfernt auch weisse Flecken und
Nebel auf den Augen. Bei Verbrennungen wirkt er mit Frauenmilch als
Salbe; er ist überhaupt schlafmachend und schmerzstillend. Ferner befördert er die Katamenien, auch wird er gegen Skorpions- und Spinnenstiche getrunken. Der Same wird wie der des Gartenlattichs genommen,
verhindert Pollution und Beischlaf. Auch der aus ihm gepresste Saft wirkt
in derselben Weise, allerdings schwächer. Der (natürliche) Saft wird in
irdenen Gefässen, nachdem er in der Sonne getrocknet ist, wie die übrigen
Säfte auf bewahrt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)