"Lörchenbaum würt auff Griechisch und Lateinisch Larix genent / in ettlichen Apotecken würt es Larga geheyssen.
Lörchbaum ist der Kynthannen nit seer ungleich / aber dicker / sein rinde ist auch gletter. Die bletter seind fetzet / einem khamm nit unänlich / dick unnd nach bey einander. Sein holtz laßt sich gern biegen / ist rotlecht. Auß disem Lörchbaum fleüßt ein hartz das ist der farb nach dem hönig gleich / zäch / würt nimmer dick. Dises verkaufft man allenthalben in den Apotecken / und sonst auch / für Terbentin / das sie Gloret nennen. Welcher namen jm on zweifel ist gegeben worden darumb / das der baum Lörch heyßt. Das recht Terbentin ist weiß / durchsichtig wie ein glaß / eins guten geruchs / wie wir sölchs nach der leng in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt.
Der Lörchenbaum wechßt nit allenthalben. In der Schlesien aber würt er überflüssig gefunden / also das man auch mit seinem holtz die stuben täfelt. Der durchleuchtig hochgeborn Fürst und Herr Marggraff Georg etc. mein gnediger Herr / hat vil Lörchenböum gen Onoltzbach lassen füren / unnd dieselbigen alda in seiner Fürstlichen gnaden garten lassen pflantzen / darvon mir auch sein F. G. einen gen Tübingen hat geschickt.
Der Lörchenbaum bringt kein blust / sonder sproßt herfür allein. Facht aber bald an zu grünen.
Die bletter unn rinden des Lörchbaums ziehen zusamen wie die Kynthannen.
Sein rinde zerstossen unn übergelegt / oder jngestrewt mit silberglet und weyrauch / ist gut denen so den wolff geritten haben / unn heylt die geschwär der haut unn den brand. Zerstossen mit schusterschwartz / heylt sie die schäden so umb sich fressen. Von gedachter rinden ein rauch unden auffgemacht / treibt das bürdlin auß von den frawen. In wasser gesotten unnd getruncken / stellt den bauchfluß und treibt den harn. Seine bletter zerstossen und übergelegt / lindern und miltern die entzündten wunden. Dieselbigen zerstossen unn in essig gesotten / und warm im mund gehalten / stillen das zanwee. Sein hartz weycht / wermt / zerteylt und seubert. So es geleutert ist / und würt wie ein latwerg jngenommen für sich selbs / oder mit hönig / ist es gut unn nützlich denen so husten / unn den schwindsüchtigen / seubert die brust / treibt den harn / zeitiget / und macht einen linden stulgang. Es verhütet auch angestrichen / das das har an den augbrawen nit außfelt. Es vertreibt allerley grind / rauden / geflecht am leib / so mans mit rosenöl vermischt und anstreicht. Mit öl und hönig vermischt / unnd in die eyterechten ohren gethon / heylt es dieselbigen. Angestrichen ist es nützlich zu dem weetagen der seiten. Die bletter haben sondere krafft wunden zu heylen / deßgleichen ist auch das hartz gut zu allen innerlichen wunden."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)