"Küchenschellwindblume, Anemone pratensis, L. mit geschwänzten Samen, mit Hüllen am Blüthenstiele, an der Spitze zurückgebognen Blumenkronblättern und doppelt gefiederten Blättern, eine Pflanze mit perennirender Wurzel von sechs bis acht Zoll Höhe, auf sonnichten, dürren Lehden, wo sie zeitig im Frühlinge blauschwarze Blumen trägt.
Das Kraut (hb. pulsatillae minoris, pulsat. nigricantis), dessen Geschmack erst grusicht, dann heftig beißend und sehr lang anhaltend ist, unterscheidet sich von der ihr sehr ähnlichen Pulsatillwindblume dadurch, daß letztere größer und rauchhaariger ist, und größere Blumen trägt, deren Blumenkronblätter gerade und nicht übergebogen sind. Beim Zerschneiden des frischen Krautes steigt schon ein scharfer Dunst auf, welcher in der Nase, auf der Zunge und den Lippen beist; der bei Bereitung des Extrakts in der Hitze entweichende Dunst aber greift auch die Augenlieder an, und erregt Dunkelheit des Gesichts. Dieser Dunst, der einzig kräftige Bestandtheil der Pflanze, entweicht bei anhaltender Siedehitze ganz, so daß der daraus bereitete Dicksaft (extractum pulsatillae nigricantis) oft ganz unkräftig ist, wenn er nicht ohne Feuer abgedunstet worden; dieser Dunst geht in der Destillation des frischen Krautes mit Wasser über, und bildet sich darin nach einiger Zeit zu milchfarbnen, platten, gestreiften Krystallen, welche in kaltem Wasser sehr schwer, in heißem aber und in warmem Weingeiste sehr leicht auflöslich sind, an der Luft nicht verfliegen, im Kalten geruch- und geschmacklos sind, in der Hitze aber verknistern, und dann eben die beißend brennende Eigenschaft als jener Dunst der erhitzten Pflanze auf Augenlieder, Nase, Lippen und im Geschmacke äußern, und so mit heller Flamme verbrennen.
Die nächste Wirkung dieser Pflanze ist, daß sie mächtig reizt, und den Harn und andre Ausleerungen erregt. Störk hat mit dem Aufgusse der Pflanze, dem Extrakte, dem destillirten Wasser und dem gedachten Kamphersalze daraus Blinde an schwarzem und grauem Staare wieder hergestellt; auch Andre nach ihm. Auch in nächtlichen, venerisch geschienenen Knochenschmerzen und Geschwüren der hartnäckigsten Art, so wie in der Lähmung, ja selbst in der Melancholie, hat man wichtige Dienste davon erfahren."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Pulsatillwindblume, Anemone Pulsatilla, L. mit doppelt gefiederten Blättern, an der Spitze zurückgerollten Blumenkronblättern, Blumenstielen mit einer Hülle und geschwänzten Samen, ein anderthalb Fuß hohes Kraut mit ausdauernder Wurzel auf sonnichten, dürren, unfruchtbaren, sandigen Stellen und Anhöhen mit Wald umgeben, wo sie im März und Aprill mit dunkelblauer, doch hellfarbiger und kleinerer Blume blüht, als die Küchenschellwindblume.
Unter beiden war blos die etwas schwächere Pulsatillwindblume den Alten als arzneilich bekannt. Ihre dicke, lange, oft in mehrere Köpfe getheilte, schwarze Wurzel (Rad. Pulsatillae vulgaris, Nolae culinariae) von bitterlichem, zuletzt sehr beißendem, stechendem Geschmacke hielten sie für schwächer als die Blätter, und fanden sie im frischen Zustande Speichel erregend, und trocken, Nießen erregend. Sie hielten sie für dienlich in bösartigen Fiebern. Die, zwischen den Fingern gerieben, einen scharfen, beißenden Geruch verbreitenden, höchst brennend schmeckenden Blätter (Fol. Pulsatillae vulgaris, Nolae culinariae), deren Kraft gewiß auf demselben brennbaren Salze, wie die der Küchenschellwindblume beruht, sahen sie, äußerlich aufgelegt, Blasen ziehen, und im kalten Brande, in faulen Geschwüren und bei Warzen und Muttermählern hülfreich, das destillirte Wasser aber im Scharbock, (bei sogenannten bösen Säften) und bei dem der Wassersucht nahen viertägigen Wechselfieber. Es soll auch Erbrechen erregen. Die dunkelblauen, grünfärbenden Blumenblätter sollen ähnliche Kräfte besitzen."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)