"Welschen distel nennen wir diß gewechß / darumb das frembd ist / unnd in unsern landen von sich selbs nit wechßt. Wie es bey den alten sey geheyssen worden / kan ich noch diser zeit nit wissen / dann es gewißlich nit Chamaeleon niger ist wie ettlich meynen / unn wir sölchs auch in unserm Lateinischen kreüterbuch gemellt haben. Ist den Apoteckern auch unbekant.
Welsch Distel hatt einen runden hohen fingers dicken braunen harigen stengel. Jre bletter seind groß / bleychgrün / auff der einen seiten gar äschenfarb / und wollecht / zu beyden seiten zerschnitte / haben keinen scharpffen stechenden dorn. Am gipffel der stengel bringt sie schöne runde ygels köpff / die blüen weiß / doch mit wenig blaw undermischt. Wann sie zeitigen so ligt grawer samen darinn verborgen / der vergleicht sich fast den Habern / allein das er oben auß seer harecht ist. Die wurtzel ist schwartz und holtzecht.
Dise Distel / wie vormals auch ist angezeygt worden / wechßt nit vonn jhrselbs in unsern landen / sonder muß in gärten gepflantzt werden. Unn wo sie einmal würt hin gepflantzt / besampt sie sich darnach alle jar selbs. Bekompt gern.
Dise welsche Distel blüet im Hewmonat / unnd bringt volgends im Augstmonat jren rauhen harigen samen.
Wiewol wir noch kein besondere erfarung von disem schönen gewechß haben / doch nichts dester weniger haben wirs lassen cotrafayten umb seiner schöne willen / darmit jm andere auch vleissig nachgedechten / unnd erforschten wie es bey den alten geheyssen were. Dieweil und aber die Walhen dise distelköpff so sie noch jung seind bey den hünern und anderm fleysch kochen / wie auch den Strobildorn / acht ich das sie in der würckung unn natur auch nit weit von einander seind. Wer dieselbigen begert zu wissen der such sie oben an seinem ort."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)