"Kümmel: Kümmel besteht aus den reifen Spaltfrüchten kultivierter Sorten von Carum carvi. Er hat einen arteigenen, aromatischen Geruch; der Geschmack ist beißend würzig.
Als Reserveorgan enthalten Kümmelfrüchte mengenmäßig vorherrschend Reservestoffe, und zwar fettes Öl (10-20%), Proteine (etwa 20%), Zucker (3%) und Stärke (etwa 5%). Nachgewiesen wurden ferner Kumarine, darunter solche mit photosensibilisierenden Eigenschaften, Flavone und Phenolkarbonsäuren, auch Kaffeesäure, die an ein Peptid gebunden vorliegt. Der Gewürzcharakter wird von dem ätherischen Öl (3-7%) bestimmt, das im Mesokarp in sog. Ölgängen oder Ölstriemen lokalisiert ist.
Kümmel dient als Gewürz in erster Linie für Brot, Sauerkraut und Kartoffelgerichte, sowie zur Herstellung des ätherischen Kümmelöls.
Medizinisch findet die Droge in Form der zerquetschten Früchte allein Verwendung oder mit anderen karminativ wirkenden Drogen als blähungstreibendes Mittel bei Völlegefühl, leichten krampfartigen Magen-Darm-Störungen sowie bei nervösen Herz-Magen-Beschwerden, dem sog. Roemheld-Syndrom.
Auch in der Veterinärmedizin wird Kümmel als blähungstreibendes und krampflösendes Mittel verwendet, beispielsweise bei Koliken, Magenkrämpfen und Blutungen bei Rindern."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Kümmelöl: ist das aus den reifen Früchten der Kümmelpflanze durch Wasserdestillation gewonnene ätherische Öl.
Das frisch destillierte Öl stellt eine farblose, klare Flüssigkeit dar, die sich beim Stehen gelb verfärbt. Der Geruch ist typisch nach Kümmel, der Geschmack würzig und beißend. Hauptbestandteil des ätherischen Öls ist Carvon (40-80%).
Kümmelöl wird in der kosmetischen Industrie zu Mundpflegemitteln und in der Likörindustrie (z.B. für Aquavit) verwendet.
Bei innerlicher Gabe wirkt Kümmelöl appetitanregend und vermutlich (auf reflektorischem Weg) auch sekretionsfördernd auf Magensaft, Pankreas (?) und Galle (?). Es wirkt sodann spasmolytisch im Magen-Darm-Trakt. Kümmelöl enthaltende Präparate sind daher vorzügliche Mittel gegen Blähungen. Das Öl hat zwar die gleichen Indikationen wie der Kümmel selbst, doch sind erhebliche Unterschiede in der Wirkungsstärke zu berücksichtigen. Der Gehalt eines Infuses an Kümmelöl dürfte nicht allzu hoch zu veranschlagen sein, verglichen mit der Einnahme des Öls auf etwas Zucker. Äußerlich wirkt Kümmelöl lokal hyperämisierend. Bei Blähungsbeschwerden verwendet man es in Form 10%iger Salben zum Einreiben des Abdomens.
Mit unerwünschten Wirkungen akuter Art ist nur bei Überdosierung zu rechnen. Carvon ist ein zentral zunächst erregend, später lähmend wirkendes Gift. Erste Intoxikationserscheinungen äußern sich in Kopfschmerzen, Schwindel und Bewusstseinsstörungen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)