"Rubia tinctorum
"Die Wurzel dieses Gewächses, Krappwurzel, Radix Rubiae tinctorum, genannt, wird
nicht allein zum Arzneygebrauch , sondern auch zu Lackfarben und zum Färben wollner und banmwollner
Zeuge angewendet, weshalb sie auch in Frankreich, Italien, Holland, der Schweiz und in
mehreren Gegenden Deutschlands gebauet wird. Die aus der Levante und Avignon hält man für
die beste; und solche muss durchaus roth seyn. Um sie zum Färben anzuwenden, wird sie geschält,
getrocknet und gemahlen, und alsdann, in Tonnen gepackt, drey Jahre hindurch aufbewahrt, wo
sie dann, nach der herrschenden Meinung, erst als brauchbar unter dem Namen Krapp, Grapp
oder Röthe in den Handel kommt. ...
In der Arzneykunde zählt man die Krappwurzel zu den gelind tonischen Mitteln , die sich bey
Atrophie der Kinder, beym Schleimhusten und auch in Wechselfiebern wirksam bewiesen haben.
Ihr Farbstoff assimilirt sich sehr leicht, so dass bey ihrem Gebrauch nicht nur Speichel, Schweiß,
Milch und Harn, sondern selbst die Knochen gefärbt werden, während Bänder, Knorpel und Beinhaut
ungefärbt bleiben. Dass die Knochen dadurch mürber werden sollen, ist noch nicht genugthuend
erwiesen. Man giebt die Krappwurzel in Pulverform zu einer halben bis ganzen Drachme und
im Absude zu einer Unze."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Elfter Band. 1830)