"Coriander oder Coliander würt auff Griechisch unnd Lateinisch Corion oder Coriannon geheyssen. In Apotecken nennt mans Coriandrum. Hat sein namen von den Wantzen her / die in Griechischer spraach Coris genent werden / dann kein wantz kan nit so übel stincken als der grün Coriander.
Der Coriander hat einen stengel welcher würt anderhalb elen hoch / mit vil neben zweigen. Seine bletter so er erstmals auffgeet / seind dem kraut Frawenhar genent gleich / darnach die andern seind den blettern am Erdtrauch änlich / unnd haben einen starcken geruch / ja stincken wie die wandleüß. Die blumen seind weiß. Der samen würt rund und bloß on hülsen / vest / und langwirig / eines guten geruchs. Die wurtzel ist kurtz / holtzecht / und nit seer zasecht.
Wechst gern im feysten erdtrich / wiewol er auch in magerm zu zeiten gefunden würt. Muß gesäet werden / kompt nit von sich selbs.
Blüet im Hewmonat und Augstmonat / würt gegen dem Herbst gesamlet wann sein sam zeitig ist.
Des Corianders natur ist nit einerley / sonder mancherley zusamen gesetzt / dann sie ist seer bitter / die bitterkeyt aber würt gefunden in einer subtilen sampt der irdischen substantz. Sie ist auch teylhafftig einer wässerigen mittelmässigen warmen feüchtigkeyt / unnd zeücht zusamen / wie ich sölchs in meinem Lateinischen kreüterbuch weitleüffiger hab angezeygt.
Coriander samen bereyt / mit süssem wein getruncken / tödtet die würm / unnd mehret den samen. Denselben aber heyßt man bereytet / so er über nacht in gutem wein gebeytzt würt.
Man soll aber des Coriandes samen innerlich nit zuvil gebrauchen / dann er macht doll und unsinnig.
Mit brot und gersten maltz vermischt / zerteylt und verzert er die hitzige geschwulst. Mit Bonen meel vermengt / verzert er die kröpff und andere geschwulst. Sein safft mit bleyweiß / silberglett oder schaum / essig und rosenöl vermischt unn übergelegt / kület unn leschet die hitzigen gebresten.
Der Coriander samen bey dem fewr gedörret / stellt den bauchfluß. Er beschleüßt auch den magen / unnd behellt die speiß darinn also lang / biß sie gedewet und gekocht werden.
Coriander samen mit essig gestossen und das fleysch darmit geriben / behelt dasselbig den gantzen summer unversert vor der feule / und laßt keine maden darinn wachsen.
Xenocrates schreibt / wann ein fraw die jre zeit zuvil hab / ein tag ein körnlin des Corianders im tranck jnneme / so gestee der fluß ein tag. Und so sie zwey jnnem / zween tag / unn also fort an."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)