"g-Strophanthin (Ouabain): Die Droge kommt in den Samen der im tropischen Westafrika verbreiteten Liane Strphanthus gratus vor. Die ausgereiften Samen sind 11-19 mm lang und 3-5 mm breit, kahl und von leuchtend goldgelber bis gelbbrauner Farbe. Der Geschmack ist ganz außerordentlich und lange anhaltend bitter.
Die Samen enthalten 4-5% Cardenolidglykoside, das Gemisch besteht zu 90-95% aus g-Strophanthin, das sich daher aus dieser Droge sehr leicht kristallin herstellen lässt. g-Strophanthin verliert durch die Einwirkung von Magensaft zum größten Teil seine Wirkung, es kann daher rationell nur durch intravenöse Injektion zugeführt werden. Die intramuskuläre Injektion führt zu lokaler Gewebsschädigung. Die pharmazeutische Industrie hat zur peroralen Strophanthintherapie mehrere Präparateformen entwickelt: ölige Suspensionen in Kapseln zur perlingualen Aufnahme (Nachteil: Schleimhautreizungen), Kapseln mit magensaftresistentem Überzug, einfache Tropfen und Dragees (Nachteil: sie entsprechen in etwa der früher verwendeten Tinctura Strophanthi, die seit langem als wirkungslos gilt).
Die volle Wirkung der intravenös verabreichten Droge beim Menschen setzt nach etwa 60 min ein. Die Haftfähigkeit des Strophanthins am Herzmusekl ist gering; es wandert rasch in periphere Kompartimente ab und diffundiert von dort langsam ins Blut zurück. Die Wirkungsdauer beträgt 2-3 Tage, was einer Abklingquote von ca. 40% entspricht. Die Ausscheidung erfolgt ausschließlich über die Nieren.
Anwendung: In Ampullenform zur Behandlung schwerer Formen von Herzinsuffizienz, bei denen eine rasch einsetzende und starke Wirkung erwünscht ist. Für die perorale Strophanthustherapie gelten hypoxische Herzkrankheiten, sowie Prophylaxe des Herzinfarkts als Indikationsgebiete. Man vermutet als Wirkungsbasis eine spezielle Wirkung auf den Herzmuskelstoffwechsel. Die perorale Strophanthintherapie ist umstritten.
Anmerkung: Aus den Samen von Strophanthus gratus gewannen die Pahuins, ein Volksstamm des westlichen Äquatorialafrikas, ein Pfeilgift. Den ostafrikanischen Somalis diente ein Extrakt aus der Rinde des Ouabaiobaumes, Acokanthera ouabaio, in gleicher Weise als Ingredienz für Pfeilgifte. Das aus der Rinde gewonnene Gift erwies sich als mit dem g-Strophanthin identisch."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)