"Fench oder Fenich würt an ettlichen orten Pfenich und Heydel geheyssen / bey den Griechen Elymos / und zu Latein Panicum / daher on zweifel der Teütsch name Pfenich kommen ist.
Wann der Fench herfür kompt / ist er dem Hirß gantz gleich / doch sein graß ist vil rauher / scherpffer und spitziger. Seine stengel oder helm seind rund / gewinnen vil knöpff / etwan zehen an einem stengel / und sovil bletter. Die äher seind nit wie andere frücht / sonder gantz rund / unn neygen sich ein wenig undersich / mit vil kleinem samen dem Hirß gleich / außgefüllt / und seind die kolben oder äher zu zeiten geel / zu zeiten aber braun / wie auch die körner in ettlichen gantz geel / in andern weiß.
Fench würt yetzund an vilen orten gepflantzt / unn wechst gern im rauhen unn sandigen erdtrich. Geratet leichtlich auch im sand / so er nur zu zeiten regen hat.
Fench scheüßt gar bald übersich / und kompt gemeinlich in viertzig tagen zu seiner volkommenheyt. Bey uns aber würt er im früling gesäet / unnd würdt im Augstmonat zeitig.
Fench kület und trücknet auß / fürnemlich so es von aussen würt übergelegt.
Fench mag zur speiß / brot / und artzney genützt werden wie Hirß / doch neret er weniger dann der Hirß / zeücht auch minder zusamen. Derhalben gibt der Fench ein geringe narung / und trücknet auß / stellt auch ettwas den bauchfluß / wie der Hirß. Das brot so auß Fench gemacht würdt / ist einer geringen narung / unnd kület / ist dürr / unnd laßt sich zerreiben wie sand oder äschen / dann es gar kein feyßte noch zähe hat / darumb es billich den bauch außtrücknet. In summa / der Fench weicht in allen dingen dem Hirß / ist auch unlieblicher zu essen / hartdewiger / neeret weniger. Fench in wein gesotten unnd getruncken / ist nützlich der roten rhur. Er stellt auch den bauchfluß / in geyßmilch gesotten / unn des tags zwey mal getruncken. Man mag jhn auch brauchen / wie den Hirß / zu den secklin die man warm überlegt / zur stellung des bauchs flüß."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)