"Seit den ältesten Zeiten her wird der Kohl als
Nahrungsmittel in sehr vielen Ländern cultivirt, welchem
Umstande wohl die allgemein große Zahl von
Ab- und Spielarten , die wir besitzen , zugeschrieben
werden muss. In welchem großen Ansehen der Kohl
im Alterthume stand, kann man aus den Schriften des
Censors Porcius Cato und des Plinius kennen lernen.
Pythogoras schon rühmte seine medicinischen Tugenden,
nicht minder Dieuches, ja der Arzt Chrysipp
schrieb ein ganzes Buch von den Wirkungen desselben u. s. w. Die Jonier schwuren bei der Brassica,
deswegen nannte Hippokratcs sie die Heilige.
Ob aber, so oft die Alten von dem Kohle sprechen
, immer nur eine und ebendieselbe Art verstanden
ist, ob die wildwachsende, welche Sibthorp fand, oder
irgend eine cultivirte , das ist eine äußerst schwer zu
beantwortende Frage. — Einige Abarten kannten schon
Eudemus der Rhizotome und Diphilus , Arzt aus Siphnos,
wie wir aus den Schriften des Athenäus wissen,
mehrere noch kommen bei späteren Schriftstellern vor;
alle aber begreift Linne unter dem gemeinschaftlichen
Nahmen Brassica oleracea, über dessen Unterabtheilung
vorzüglich de Candolle's klassisches Werk nachgesehen zu werden verdient.
Der Kohl wird von den Hippokratikern im Allgemeinen
für eine gesunde Nahrung angesehen ; er habe
eine gewisse Schärfe , mittelst welcher er auf den
Stuhlgang wirke . An einem andern Orte wird gesagt,
der Kohl erhitze, sey leicht verdaulich und führe
die galligen Unreinigkeiten aus . Zur Beförderung
des Stuhlgangs wird der Kohl , so wie auch dessen
Saft empfohlen , ferner gekocht zur Beförderung
der Conception , der Saft mit Salz gegen Schwindsucht. Nebst einer Menge anderer Dinge wird der
Kohl gegen Calculus angerathen , ferner die Wurzel
und der Saamen zum Waschen des Gesichts gegen
Flecken der Haut. Die Athenienser gaben, wie Athenäus
bezeugt, den Kindbetterinnen den Kohl gleichsam
als ein Schutzmittel."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)