"Herba et Flores Verbasci, Wollkraut, Königskerze. Die Pflanze hat nicht allein schleimige Bestandteile,
ähnlich der Althaea, dem Salep, der Malva, dem Gummi arabicum, sondern auch etwas Gewürzhaftes, Balsamisches,
fast wie die großblühende Galeopsis. (Dieser balsamische Geruch ist den Ratten so zuwider, dass sie dadurch
aus den Häusern vertrieben werden können.) Gegen Brustkatarrhe, Schleimschwindsuchten, einfache Ruhren
ist die Königskerze als Infusodekokt zu empfehlen. Sie macht einen Bestandteil des offizinellen Brusttees
(Species ad infusum pectorale) aus und nützt auch als Gurgelwasser bei katarrhalischer Bräune,
und äußerlich zu Umschlägen und Bähungen. Tabernomontanus bemerkt, dass schon Galen, Aetius und Dioscorides
die Wurzel des Wollkrauts, in Wein gesotten, gegen chronische Durchfälle gerühmt hätten.
Das Pulver der Blumen gaben ältere Ärzte bei Nachwehen; das Pulver der Wurzel, ein halb Lot,
mit eben so viel Weizenmehl und Eiern zu einem Pfannkuchen gebacken und neun Tage lang Morgens nüchtern,
gegessen, lobt Mathiolus gegen geschwollene, schmerzhafte, blutende Hämorrhoiden."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)