"Fischkörnerkerze, Verbascum phlomoides, L.
mit eiförmigen, auf beiden Seiten filzigen Blättern, wovon die untern gestielt sind, eine vier bis fünf Fuß hohe, zweijährige Pflanze, welche an Wegen und Dörfern ihre weiße oder gelbe Blüthe im Heumonate zeigt.
Man hat sich in ältern Zeiten der Blätter und Blumen dieses Krautes (hb. flor. thapsi barbati foeminae), welches einen etwas salzigen und zusammenziehenden Geschmack und einen betäubenden Geruch, wie der Hollunder hat, zu gleichen Absichten, wie der Königskerze bedient, vorzüglich in kampfhaften und schmerzhaften Zufällen.
Nimmt man dazu, daß die eckigen bräunlichen Samen die Fische betäuben, auch wohl tödten, so ist es wahrscheinlich, daß diese Pflanze als ein Narkotikum wirkt, dessen (wenigstens innerer) Gebrauch aber an Mangel bestimmter Erfahrungen noch zweideutig bleibt."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)
"Königskerze, Verbascum thapsus, L.
mit herablaufenden, beiderseits filzigen Blättern, einfachem Stengel,
und kugelförmiger Narbe am Staubwege, eine an ungebauten, steinichten Dämmen und Gräben auf vier Fuß hohe,
zweijährige Pflanze, welche im July hellgelb blüht.
Man hat sich der, frisch etwas unangenehm betäubend, trocken aber lieblich nach Veilchen riechenden,
und ähnlich, nicht unangenehm schmeckenden Blumen (flor. Verbasci) als eines Schmerz und Krampf lindernden Mittels,
vorzüglich bei Husten, Stuhlzwang züglich bei Husten, Stuhlzwang und blinder Goldader bedient,
wie es scheint mit Erfolge.
Die frisch rettigartig bitterlich schmeckenden und etwas betäubend widrig riechenden, trocken aber schwach,
nicht unangenehm riechenden, etwas krallicht schmeckenden Blätter (fol. Verbasci) besitzen eine ähnliche
nur weit schwächere Kraft. Man will ihnen noch eine erweichende beilegen. Die Landleute legen sie auf
Entzündungsgeschwülste.
Die Alten brauchten auch die Wurzel, vorzüglich den Saft der frischen, um Schmerzen zu stillen,
Bauch- und Blutflüsse zu hemmen, und gegen das viertägige Fieber.
Der Samen soll die Fische betäuben."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)