"Knoblauch und Knoblauchpräparate: Knoblauch ist eine Kurzbezeichnung sowohl für die Knoblauchpflanze, als auch für die als Gewürz verwendete Knoblauchzwiebel. Pharmazeutisch verarbeitet wird sowohl der frische Knoblauch, als auch die geschnittene und getrocknete Droge.
Die unverletzte Knoblauchzehe ist geruchlos, erst nach der Verletzung entwickelt sich der typische, scharfe Knoblauchgeruch. Der Geschmack ist anhaltend brennend, süßlich und schleimig.
Die Reaktionen, die sich bei der Extraktherstellung abspielen, sind in hohem Maße von den äußeren Reaktionsbedingungen abhängig; daher sind auch die verschiedenen Fertigarzneimittel hinsichtlich ihrer Zusammensetzung weder mit dem genuinen Knoblauch selbst noch untereinander ohne weiteres vergleichbar. Knoblauchpräparate sind nichtstabilisierte und stabilisierte Knoblauchpulver, Ölemazerate, Knoblauchsäfte und Präparate mit ätherischem Knoblauchöl. Viele der Knoblauch enthaltenden Fertigpräparate sind Kombinationspräparate undefinierter Zusammensetzung.
Knoblauchextrakte und ätherisches Knoblauchöl wirken gegenüber zahlreichen grampositiven und gramnegativen Bakterien nach in-vitro-Prüfungen antibakteriell. Sie wirken nach in-vitro-Tests auch antimykotisch gegen Candida, Cryptococcus, Trichophyton, Epidermophyton und Microsporium-Arten. Im Verlauf von 4 Wochen können 3 g frischer Knoblauch pro Tag bei gesunden Probanden zu einer Senkung des Serumcholesterinspiegels führen. 100-150 mg / kg KG frischen Knoblauchs, das sind 6-10 g pro Person, führen nach etwa einer Stunde zu einer Hemmung der Thrombocytenaggregation, die nach 2-5 Stunden wieder abklingt. Eine blutzuckersenkende Wirkung von Knoblauchd konnte sowohl beim Menschen, als auch im Tierversuch beobachtet werden.
Anwendungsgebieet: Zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei erhöhten Blutfettwerten; unterstützend zu anderen präventiven Maßnahmen, um die Progredienz arteriosklerotischer Gefäßveränderungen zu hemmen. Dass eine wirksame Arterioskleroseprophylaxe betrieben werden kann, ist aber keinesfalls bewiesen. Noch immer fehlen klinische Langzeitstudien, die dies eindeutig belegen würden.
Wegen ihrer Toxizität dürfen Knoblauchpräparate nicht an Kinder verabreicht werden. Bei Erwachsenen kommt es bei Überdosen zu Bauchschmerzen, Übelkeit bis Erbrechen, und u.U. nekrotischen Veränderungen an den Schleimhäuten. Mit dem Auftreten von Allergien muss grundsätzlich gerechnet werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)