"[II.181. - Knoblauch] - Allium sativum (Liliaceae) - Knoblauch
Der Knoblauch [Einige nennen ihn Geboskon, Andere Eaaphoboskon, die Römer Allium wird gebaut und ist eine Gartenpflanze. Dieser, in Aegypten einköpfig [ist wie der Porree, süss, purpurfarben, klein, der übrige gross, vielköpfig] weiss. Die gespaltenen Theile in demselben heissen Aglithen. Es gibt aber auch eine wilde Sorte, das sogen. Ophioskorodon. Er hat eine scharfe, erweichende, beissende, windetreibende Kraft, regt den Bauch auf, trocknet den Magen aus, macht Durst und kann auf der Körperhaut Geschwüre hervorrufen. [Dasselbe bewirkt das Ophioskorodon, welches auch Elaphoskorodon heisst.] Gegessen treibt er den Bandwurm aus und befördert den Harn. Wie kein anderes Mittel wirkt er bei denen, die von der Viper und von der Hämorrhois gebissen sind, wenn anhaltend Wein genommen, oder wenn er (der Knoblauch) mit Wein zerrieben und getrunken wird. Ebenso wird er auch gegen den Biss des tollen Hundes mit Erfolg aufgelegt. Genossen ist er nützlich gegen die nachtheilige Wirkung der Veränderung des Wassers, macht die Luftröhre (die Stimme) hell und bringt Linderung bei anhaltendem Husten, wenn er roh oder gekocht gegessen wird. Mit Dostenabkochung getrunken tödtet er Läuse und Wanzen. Gebrannt und mit Honig vermischt als Salbe heilt er Sugillationen unter den Augen und die Fuchskrankheit, bei denen, die an Alopekie leiden, mit Nardensalbe. Mit Salz und Oel heilt er Hautausschlag. Mit Honig vertreibt er weisse Flecken, Flechten, Leberflecken, bösen Grind, Schorf und Aussatz. Seine Abkochung zusammen mit Kienholz und Weihrauch beruhigt Zahnschmerzen, wenn sie im Munde behalten wird. Mit Feigenblättern und römischem Kümmel ist er ein Umschlag gegen die Spitzmaus. Die Abkochung der Dolde dient als Sitzbad zur Beförderung der Menstruation und der Nachgeburt. Zu demselben Zwecke wird er in der Räucherung angewandt. Der aus ihm und der schwarzen Olive durch Reiben erhaltene Brei, das sogen. Myttoton, treibt, genossen, den Harn und wirkt eröffnend. Er ist auch den Wassersüchtigen heilsam."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)