"Kirschen seind auff Griechisch unn Lateinisch Cerasa genent / von der statt Cerasunte / darvon sie erstlich in Welsch land gebracht seind / und volgends auch an andere ort.
Der Kirschen seind vilerley geschlecht / doch in unsern landen findt man fürnemlich dreierley art. Die ersten seind rund / liechtrot und süß / die werden Amarellen geheyssen. Die andern seind der gestalt nach den yetzgemelten gleich / aber der farb nach / welche braunschwartz ist / haben sie einen underscheyd / seind auch vil saurer dann die Amarellen / werden Weichsel genent. Die dritten seind vil kleiner und ettwas langlechter / nit gar rund / und deren seind ettlich rot / ettlich braun / werden an ettlichen ortten sonderlich Kerschen oder Kirschen genent. Kerschen aber ist jhr rechter nam / von dem Lateinischen Cerasa genommen.
Der Kirschenbaum hat fast bletter wie der Nespelbaum / doch herter / breyter / unn zu ringßumbher zerkerfft. Sein rinde ist glatt / weiß unn schwartz durcheinander. Die blumen seind weiß / wie die Schlehen blumen. Die frucht liechtrot / oder braunschwartz / rund oder langlecht.
Die Kirschen seind seer gemein / wachsen in allen gärten / doch das dritt geschlecht würt auch in wälden gefunde / in sonderheyt an den wässerige bergen.
Die Kirschen blüen im früling / fast mit oder bald nach den Schlehen. Die frucht würt im Brachmonat und Hewmonat zeitig.
Die Kirschen haben nit einerley natur unn complexion. Die süssen so sie noch frisch seind / wermen ein wenig und feüchten. Die sauren und herben külen und trücknen.
Die süssen und zeitigen Kirschen machen einen linden stulgang / seind aber dem feüchten magen nit nützlich noch bequemlich. Die herben aber seind dem feüchten magen gantz bequem. Plinius schreibt / wann einer zu morgens früe / dieweil noch der thaw darauffligt / Kirschen mit den kernen gantz hinab schlucke / so treiben sie seer durch den stulgang auß. Das hartz so an dem Kerschenbaum gefunden würt / mit wein jngenommen und getruncken / ist gut dem langwirigen husten / macht ein linde kelen / und lust zu essen. Es macht auch ein schöne haut am leib / und ein scharpff gesicht. In wein getruncken bekompt es wol denen so den stein haben. Mit essig vermischt und angestrichen / vertreibt es den jungen kindern das Nerisch oder Gespreng genent."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)