"Terpentinöl (gereinigtes Terpentinöl): Terpentinöl ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Produkte, die sich aus Koniferen, besonders aus Pinus-Arten gewinnen lassen. Je nach Ausgangsmaterial und Herstellungsweise unterschiedet man: Balsamterpentinöl, dampfdestilliertes Wurzelterpentinöl, gereinigtes Sulfatterpentinöl (ein Nebenprodukt bei der Zellstoffherstellung, auch unter der Bezeichnung deutsches Holzterpentinöl bekannt) und gerinigtes Kienöl (gewonnen durch trockene Destillation von Kiefernholz und eine sich anchließende Reinigung).
Für arzneiliche Zwecke sind nach den Arzneibüchern ausschließlich Balsmaterpentinöle zu verwenden. Unter Balsamen oder Oleoresinaten, versteht man generell Lösungen von Harzen in ätherischen Ölen. Von Pflanzen werden sie sowohl spontan als "physiologische Produkte" abgeschieden als auch in Beantwortung von Verletzungen oder anderen Reizen als "pathologische Produkte".
Den bei der Verwundung von Koniferenstämmen austretenden Balsam bezeichnet man als Terpentin, pharmazeutisch als Terebinthina. Die wirtschafltich wichtigsten Terpentinquellen sind: Pinus palustris, die in Nordamerika vorkommende "longleaf pine" (Sumpfkiefer), P. elliotti, die ebenfalls in Nordamerika vorkommende "slash pine", und P. pinaster, die and der Mittelmeerküste v.a. in Frankreich wachsende Seestrandkiefer.
In der unverletzten Pflanze befindet sich der Terpentinbalsam in schizogenen Exkretgängen von Rinde und Holz, die sich nach künstlich dem Baum beigebrachten Verwundungen entleeren. Dieser sog. primäre Harzfluss ist allerdings wenig ergiebig und versiegt bald; nach etwa 14 Tagen aber, wenn sich als Folge des Wundreizes oberhalb der Wundstelle Neuholz mit vielen neuen Harzgängen gebildet hat, beginnt der Balsam erneut und reichlich zu fließen. In der Praxis geht man gewöhnlich so vor, dass man eine bestimmte Fläche des auszubeutenden Baumes von der Rinde und den äußeren Anteilen des Splintholzes entblößt und an der Basis der Wundstelle eine Zinkrinne fixiert, um für den langsam herabrinnenden Balsam eine Führung in ein unterhängendes Tongefäß zu haben. Die Wundfläche wird laufend erweitert, um zur Bildung immer neuer Exkretgänge anzuregen. Zahlreiche Modifikationen dieses Verfahrens der Terpentingewinnung sind bekannt, so die Methode, den Exkretfluss durch Mineralsäuren zu stimulieren, wodurch das Setzen mechanischer Wunden eingespart wird. Das Rohterpentin ist dickflüssig und mit körnigen Ausscheidungen von Harzsäuren durchsetzt; als Verunreinigungen enthält es Wasser, Pflanzenteile, Insekten und mineralische Bestandteile. Durch Verflüssigen in der Wärme, Dekantieren und Filtrieren wird es weiter gereinigt und bildet dann das Terebinthina der Arzneibücher. Es unterscheidet sich in Abhängigkeit von der botanischen Herkunft und den angewandten Gewinnungs- und Reinigungsverfahren. Unterwirft man Terpentin der Wasserdampfdestillation, so erhält man das Balsamterpentinöl; als terpentinölfreier Rückstand bleibt Kolophonium zurück.
Frisch destilliertes und kurzzeitig gelagertes Terpentinöl ist eine farblose Flüssigkeit, die charakteristisch riecht und einen brennenden Geschmack aufweist. Bei längerer Lagerung, besonders unter Luftzutritt, wird das Öl gelblich gefärbt, in der Konsistenz dicker, Geruch und Geschmack werden intensiver und zugleich unangenehmer. Von einem Terpentinöl, das den Anforderungen der Arzneibücher entsprechen soll, wird erwartet, dass es zu etwa 10% aus Pinen besteht.
Terpentinöl ist ein wichtiger Rohstoff in der chemischen Industrie. Pinen lässt sich nach Abtrennung partialsynthetisch in eine Vielzahl von Produkten überführen, wie in Kampfer, Myrcen, Citronellal oder Citral, die als solche für Kosmetika und Pharmazeutika verwendbar sind, die aber auch als Ausgangsmaterialien für die Synthese von Vitaminen (E und A) und von Duftstoffen für die Kosmetikindustrie herangezogen werden. Demgegenüber tritt die medizinische Verwendung zurück. Die Anwendungen umfassen jene als hautreizendes Mittel und zur inhalativen Therapie als Kombinationspräparat gemeinsam mit anderen ätherischen Ölen.
Terpentinöle in geringen Dosen inhalativ zugeführt können expektorativ wirksam sein. Im Tierversuch erwies sich der Hauptbestandteil Pinen als ein ausgezeichnetes schleimtreibendes Expektorans, das sowohl das Sekretionsvolumen steigert, als auch die Mukuskonzentration des expektorierten Schleims erhöht. Als unerwünschte Wirkungen kommen allergische Unverträglichkeitsreaktionen in Frage. Die sensibilisierende Wirkung des Öls hängt nicht am Pinen, sondern an Oxidationsprodukten, weshalb verharztes Öl besonders stark allergisierend wirkt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Kiefernnadelöl: Man gewinnt es aus Nadeln und Zweigen der gemeinen Kiefer, Pinus sylvestris. Das Öl weist nicht den charakteristischen Duft frisch geschnittener Tannenzweige auf, sondern riecht terpentinartig. Der Estergehalt ist niedrig: 1,5-5%, berechnet als Bornylacetat.
Fichtennadelöle sind zunächst einmal wichtig für die kosmetische Industrie als Riechstoffe für Seifen, Badeessenzen und Raumluftverbesserer. In pharmazeutischen Kombinationspräparaten als Inhalationslösung, für Einreibungen in Salbenform, in alkoholischer Lösung als "Fichtennadelfranzbranntwein" und als "Balsam", d.i. eine Mischung ätherischer Öle mit geringen Zusätzen von meist Perubalsam."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Kiefernsprosse: bestehen aus jungen, im Frühjahr - solange sie noch lichtgrün sind - gesammelten Zweigspitzen von Pinus sylvestris. Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl (Zusammensetzung wie Fichtennadelöl), Säuren, Flavonoide, Kohlenhydrate, Vitamine, Blätterwachs."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)