Kiefer, w, Pinus, Gattung der Kieferngewächse (Unterfamilie Pinoideae) mit etwa 110 immergrünen, harzreichen, fast ausnahmslos baumförmigen Arten; Langtriebe der Kiefern nur mit häutigen Schuppenblättern und axillären Kurztrieben, bestehend aus 2–5 gebüschelten Nadelblättern und basalen Schuppenblättchen; männl. Zapfen in dichten Trauben an den Sproßenden stehend; weibl. Zapfen einzeln, nach der Fruchtreife (2–3 Jahre) als Ganzes abfallend, mit kleinen, von außen nicht sichtbaren Deckschuppen sowie holzigen Samenschuppen (mit distal schildförmig verdickter Apophyse), die je 2 meist geflügelte Samen tragen.
Das Areal der Gattung umfaßt die ganze Nordhemisphäre mit Beschränkung in den Tropen auf die Gebirge und mit einem Mannigfaltigkeitszentrum im westlichen Nordamerika; südhemisphärische Vorkommen liegen auf Java, Borneo und Sumatra. Fossil ist die Kiefer seit der Unterkreide (Pinus belgica), ab dem Tertiär auch mit den heutigen Untergattungen und Sektionen bekannt. Das Harz von Kiefernarten lieferte auch den Bernstein.
Zur Untergattung Pinus (Synonym Diploxylon, Nadeln mit doppeltem Gefäßbündel), Sektion Eupitys (Kurztrieb mit 2 Nadeln, Jahreszuwachs eingliedrig) gehört vor allem die Wald-Kiefer (Gemeine Kiefer, Föhre, Forle, Pinus sylvestris; wichtige Merkmale: Nadeln blaugrün, Rinde im Kronenbereich rötlich; Höhe: bis 40 m; Alter: bis 600 Jahre). Bei einer insgesamt eurosibirischen Verbreitung (Schwerpunkt: Taiga; in Skandinavien bis 70° nördlicher Breite, südwärts bis Sierra Nevada und Kleinasien) wächst sie als Lichtholzart mit zahlreichen Sippen in der kollinen bis subalpinen Stufe vor allem auf Standorten, die von anspruchsvolleren Holzarten gemieden werden, also auf sehr trockenen, sandigen bis flachgründigen oder auf nährstoffarmen, sauren und moorigen Böden; sie fehlt in ozeanischen Bereichen.
In Mitteleuropa finden sich natürliche Wälder der Wald-Kiefer (mit sehr unterschiedlicher Begleitflora) vor allem in den Trockentälern und an Trockenhängen der Alpen, auf den diluvialen Sandböden des nordöstlichen deutsch-polnischen Flachlands und in Waldhochmooren oder an Hochmoorrändern. Ferner tritt die Wald-Kiefer als Begleiter in mehreren Gesellschaften auf (z.B. in Eichenmischwäldern). Wegen der geringen Standortansprüche ist sie neben der Fichte der wichtigste Forstbaum (ausgedehnte Kiefernforste z.B. in Niedersachsen und im Oberrheintal) zeigt sich aber in Monokulturen oft schädlingsanfällig (z.B. gegen Kiefernschütte, Kiefernspanner). Das gelblich-weiße Holz ist weich (Dichte: 0,31–0,74 g/cm3) und wird vor allem als Bau-, Papier- und Möbelholz verwendet. Ferner wurde es seit der Antike zur Terpentin-, Kolophonium- und Pechherstellung genutzt.
Ebenfalls zur Sektion Eupitys gehört die Schwarz-Kiefer (Pinus nigra; Rinde grau, Nadeln erheblich länger als bei der Wald-Kiefer). Sie wächst in den südeuropäischen Gebirgen von Spanien bis Kleinasien in mehreren Unterarten (z.B. ssp. salzmannii in den Cevennen) und besitzt mit der ssp. nigra noch isolierte natürliche Vorkommen in Niederösterreich. Sie wird als Zierbaum, zur Harznutzung und auch zur Aufforstung verwendet (z.B. Mittelmeerländer, Australien).