"Auch die Kicher [Cicer arietinum L.] gehört zu
den ältesten Nahrungsmitteln. Dieselbe wird schon in
der Bibel genannt, wenn wir den Auslegern derselben
in diesem Stücke Glauben beimessen dürfen. Dass sie
bei den Griechen und Römern gebraucht wurde, unterliegt
keinem Zweifel. Theophrast, Galen und andere,
führen mehrere Kichernarten, die sich durch die Farbe
unterscheiden an, sie hatten eine weiße, rothe und dunkle,
wovon die erstere Sprengel auf die Farbe der BIüthen
bezieht , dagegen Murray, dem ich eher beitreten
möchte, diese Farbe von der Saamendecke verstanden wissen will . Das was Dioscorides von den
verschiedenen Kichern sagt, scheint mir auf mehrere
ganz verschiedene Pflanzen bezogen werden zu müssen.
Einige Schriftsteller, wie z. B. Cäsalpin, scheinen
unsere Pflanze mit Astragalus Cicer L. verwechselt
zu haben. — Selten wohl in Teutschland, häufiger
aber in Italien, Frankreich und Spanien, werden noch
jetzt die Kichern angebaut ; in Creta wachsen sie zwischen
dem Getreide wild.
Die weiße Kicher , sagt der hippokratische Schriftsteller
ist nährend und wirkt sowohl auf den Stuhlgang
als auch auf den Urin ; übrigens macht sie sowohl
roh als geröstet Blähungen und Beschwerden , wobei
zu bemerken, dass noch in unsern Zeiten das Rösten
der Kichern im Orient Sitte ist.
Gegen die Gelbsucht wird die Kicher sowohl als
Speise, als auch in einem Trank mit andern Mitteln
angerühmt."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)