"Nur wenige Pflanzen der Alten wurden so vielseitig gedeutet, als die Akoniten. Dioscorides beschreibt eine Art, von der er sagt, dass man sie auch Kammaron nenne , und von dieser ist hier die Rede. Seine Beschreibung ist äußerst kurz, sie habe 3-4 Blätter wie Cyclamen oder Gurken , doch kleiner und etwas rauh , einen spannenlangen Stengel und eine alabasterweiße , dem Schwänze eines Scorpionen ähnliche Wurzel. Sie tödte Panther, Wölfe und andere Thiere. - Sprengel deutet sie auf Aconitum Cammarum und De Candolle auf Ranunculus Thora. Beiden kann ich nicht beitreten, weil die Beschaffenheit der Wurzel nicht entspricht , die bei den Pflanzenbeschreibungen der Alten eine Hauptsache ist; vielmehr trete ich auf die Seite des Mathiolus , welcher Doronicum Pardalianches dafür hielt, womit auch Sibthorp übereinstimmt. Eine Hauptfrage ist nun die giftige Eigenschaft der Wurzel, wovon ich hier nicht rede, da Houttuyn das, was dafür und dagegen gesagt werden kann, bereits zusammengestellt hat; übrigens würde der Widersprüche wegen eine neue sorgfältige Untersuchung sehr zweckmäßig seyn.
Das Wort Kammaron kommt nur einmal in den hippokratischen Schriften vor, wo das Mittel bei Fieberhitze anempfohlen wird. Foesius übersetzt es durch medicamentum refrigerans , und in der That ist es sehr zweifelhaft, ob wirklich hier das Kammaron des Dioscorides verstanden werden wollte, wobei noch zu bemerken ist, dass es nach Einigen den Saft des Schierlings bedeutet, eine Annahme, die ich weder zu bestätigen , noch zu widerlegen wage."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)