,

"[IV.42. - Gänsefuss] - Potentilla reptans (Rosaceae) - Kriechender Gänsefuss
Das Pentaphyllon [Einige nennen es Pentapetes, Andere Pentatomon, Pentadaktylon, Pseudoselinon, Kallipetalon, Xylolotos, Xylopetalon, Asphaltos, Pentakoinon, Thymiatitis, die Aegypter Orphitebeoke, auch Enotron, die Propheten Ibisklaue, auch Ibisflügel, Hermodaktylon, die Römer Quinquefolium, die Gallier Pempedula, die Dakier Probedula] treibt hagere, zarte, spannenlange Zweige, an denen sich die Frucht befindet. Es hat Blätter ähnlich wie die Minze, fünf, selten wohl mehr an jedem Stiel, welche am Rande sägeförmig gezähnt sind. Die Blüthe ist blass, goldfarbig. Es wächst an feuchten Stellen und Gräben. Es hat eine röthliche, längliche Wurzel, dicker als bei der schwarzen Nieswurz; es findet vielfache Verwendung.
Das bis auf ein Drittel durch Kochen eingeengte Decoct der Wurzel hat, im Munde behalten, die Kraft, Zahnschmerzen zu heilen, auch beseitigt es als Mundspülwasser die Mundfäule und besänftigt als Gurgelwasser die Rauheit der Luftröhre. Ferner hilft es bei Bauchfluss und Dysenterie und wird auch von den Gischt- und Ischiaskranken getrunken. Fein gestossen in Essig gekocht hält sie (die Wurzel) als Umschlag kriechende Geschwüre auf, vertheilt Drüsen am Halse, Verhärtungen, Aneurysmen und Abscesse, heilt roseartige Entzündungen, überwachsene Fingernägel, Feigwarzen und Krätze, der Saft der zarten Wurzel wirkt bei Leber- und Lungenleiden und gegen tödtliche Gifte. Die Blätter aber werden mit Honigmeth oder gemischtem Wein und etwas Pfeffer gegen die periodischen Fieber getrunken, Und zwar beim viertäigigen die Blätter von vier Zweigen, beim dreitägigen von zwei, beim eintägigen von einem Zweige. Auch bei Epilepsie helfen die Blätter, jedesmal dreissig Tage hindurch getrunken. Der Saft der Blätter, in der Menge von 3 Bechern einige Tage getrunken, heilt rasch die Gelbsucht; mit Salz und Honig als Umschlag heilen sie (die Blätter) Wunden und Fisteln. Es (das Pentaphyllon) heilt Darmbrüche und stillt Blutungen, wenn es getrunken und umgeschlagen wird. Es wird auch als Reinigungsund Sühnemittel sowie als Mittel gegen Blutfluss geschnitten."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)